Was ist die Pflegeversicherung? Definition und Überblick
Die Pflegeversicherung sichert das Risiko der Pflegebedürftigkeit ab. Sie zahlt Teile der Pflege, vor allem zu Hause, und ist im SGB XI geregelt.
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Das Wichtigste in Kürze
- Die soziale Pflegeversicherung ist ein eigenständiger Zweig der Sozialversicherung (§ 1 Abs. 1 SGB XI). Träger sind die Pflegekassen, deren Aufgaben die Krankenkassen wahrnehmen (§ 1 Abs. 3 SGB XI).
- Wer gesetzlich krankenversichert ist, ist kraft Gesetzes auch pflegeversichert. Wer privat krankenversichert ist, muss eine private Pflege-Pflichtversicherung abschließen (§ 1 Abs. 2, § 23 SGB XI).
- Der Beitragssatz beträgt 3,6 Prozent, für Kinderlose ab 23 Jahren zuzüglich 0,6 Punkte. Beschäftigte und Arbeitgeber tragen ihn grundsätzlich je zur Hälfte (BMG, § 58 SGB XI).
- Leistungen richten sich nach dem Pflegegrad (1 bis 5). Zum 31.12.2025 bezogen 6.011.267 Menschen in der sozialen Pflegeversicherung Leistungen mit Pflegegrad.
Inhalt dieser Seite9 Abschnitte
Definition und Rechtsgrundlage
Das Elfte Buch Sozialgesetzbuch schuf die Pflegeversicherung als „neuen eigenständigen Zweig der Sozialversicherung“, um das Risiko der Pflegebedürftigkeit sozial abzusichern (§ 1 Abs. 1 SGB XI). Ihre Aufgabe ist, Pflegebedürftigen zu helfen, die wegen der Schwere der Pflegebedürftigkeit auf solidarische Unterstützung angewiesen sind (§ 1 Abs. 4 SGB XI). Das Gesetz heißt SGB XI.
Die Pflegeversicherung ist keine Vollversicherung. Sie zahlt Leistungsbeträge je Pflegegrad und Leistungsart, übrige Kosten sind selbst zu tragen.
Wer pflegeversichert ist
In der sozialen Pflegeversicherung sind kraft Gesetzes alle, die gesetzlich krankenversichert sind (§ 1 Abs. 2 Satz 1 SGB XI). Versicherungspflichtig sind die versicherungspflichtigen Mitglieder der gesetzlichen Krankenversicherung, etwa Beschäftigte (§ 20 Abs. 1 SGB XI). Die Pflegekasse wird bei jeder Krankenkasse errichtet (§ 46 SGB XI), die Wahl der Krankenkasse bestimmt also die Pflegekasse.
Wer privat krankenversichert ist, muss bei seinem Unternehmen eine private Pflege-Pflichtversicherung abschließen. Der Vertrag muss Leistungen vorsehen, die denen der sozialen Pflegeversicherung nach Art und Umfang gleichwertig sind; an die Stelle der Sachleistungen tritt eine Kostenerstattung in gleicher Höhe (§ 23 Abs. 1 SGB XI). Beamte und andere mit Beihilfeanspruch erhalten die Leistungen zur Hälfte (§ 28 Abs. 2 SGB XI).
Was die Pflegeversicherung leistet
Das Gesetz zählt die Leistungsarten in § 28 Abs. 1 SGB XI auf. Für die häusliche Pflege sind die folgenden am wichtigsten. Beträge und Voraussetzungen stehen in den verlinkten Ratgebern.
| Leistung | Rechtsgrundlage | Mehr dazu |
|---|---|---|
| Pflegegeld (selbst organisierte Pflege) | § 37 SGB XI | Pflegegeld |
| Pflegesachleistung (Pflegedienst) | § 36 SGB XI | Pflegesachleistung |
| Verhinderungspflege | § 39 SGB XI | Verhinderungspflege |
| Kurzzeitpflege | § 42 SGB XI | Kurzzeitpflege |
| Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, bis 42 Euro im Monat | § 40 Abs. 2 SGB XI | Pflegebox beantragen |
| Entlastungsbetrag, 131 Euro im Monat | § 45b SGB XI | Entlastungsbetrag |
| Pflegeberatung | § 7a, § 28 Abs. 1a SGB XI | Pflegeberatung |
Pflegegrade statt Pflegestufen
Wie hoch die Leistungen ausfallen, hängt vom Pflegegrad ab. Er wird nach der Schwere der Beeinträchtigungen der Selbständigkeit mit einem Begutachtungsinstrument in sechs Modulen ermittelt (§ 15 Abs. 1 und 2 SGB XI). Es gibt fünf Pflegegrade; Näheres steht im Glossar-Eintrag Pflegegrad und im Ratgeber Pflegegrad beantragen.
Die früheren Pflegestufen gibt es seit 2017 nicht mehr. Wer bis Ende 2016 eine Pflegestufe oder eine erheblich eingeschränkte Alltagskompetenz hatte, wurde mit Wirkung ab dem 1. Januar 2017 ohne neuen Antrag und ohne neue Begutachtung einem Pflegegrad zugeordnet (§ 140 SGB XI).
Wer die Pflegeversicherung finanziert
Die Ausgaben werden durch Beiträge der Mitglieder und der Arbeitgeber finanziert, bemessen nach den beitragspflichtigen Einnahmen. Für versicherte Familienangehörige werden keine Beiträge erhoben (§ 1 Abs. 6 SGB XI). Nach dem Bundesgesundheitsministerium beträgt der Beitragssatz seit 1. Januar 2025 3,6 Prozent bis zur Beitragsbemessungsgrenze, die 2026 bei 69.750 Euro im Jahr liegt. Kinderlose Mitglieder ab dem 23. Lebensjahr zahlen 0,6 Punkte mehr (§ 55 Abs. 3 SGB XI). Ab dem zweiten Kind sinkt der Satz um 0,25 Punkte je Kind, bis zum fünften Kind.
Beschäftigte und Arbeitgeber tragen den Beitrag grundsätzlich je zur Hälfte, den Zuschlag für Kinderlose tragen die Beschäftigten allein (§ 58 Abs. 1 SGB XI). In Sachsen weicht die Aufteilung ab. Das Beispiel zeigt die Verteilung bei 3.000 Euro Brutto im Monat.
| Fall | Beitrag gesamt | Ihr Anteil | Arbeitgeber |
|---|---|---|---|
| Mit einem Kind, 3,6 Prozent | 108,00 Euro | 54,00 Euro | 54,00 Euro |
| Kinderlos, 4,2 Prozent | 126,00 Euro | 72,00 Euro | 54,00 Euro |
Häufige Fragen
Was ist die Pflegeversicherung einfach erklärt?
Die Pflegeversicherung ist ein eigenständiger Zweig der Sozialversicherung, der das Risiko der Pflegebedürftigkeit absichert (§ 1 Abs. 1 SGB XI). Träger sind die Pflegekassen, die bei den Krankenkassen angesiedelt sind. Sie zahlt Leistungsbeträge je Pflegegrad.
Wer ist in der Pflegeversicherung versichert?
Alle gesetzlich Krankenversicherten sind kraft Gesetzes in der sozialen Pflegeversicherung. Privat Krankenversicherte müssen eine private Pflege-Pflichtversicherung abschließen (§ 1 Abs. 2, § 23 SGB XI).
Wie viele Pflegegrade gibt es und was ist mit den Pflegestufen?
Es gibt fünf Pflegegrade nach § 15 SGB XI. Die früheren Pflegestufen wurden zum 1. Januar 2017 ohne neuen Antrag in Pflegegrade überführt (§ 140 SGB XI).
Ist die private Pflegeversicherung besser als die gesetzliche?
Diese Frage lässt sich nicht pauschal beantworten. Gesetzlich vorgeschrieben ist, dass die private Pflege-Pflichtversicherung Leistungen vorsieht, die denen der sozialen Pflegeversicherung nach Art und Umfang gleichwertig sind, mit Kostenerstattung statt Sachleistung (§ 23 Abs. 1 SGB XI). Beiträge und Zusatzbausteine unterscheiden sich je nach Vertrag.
Wie hoch ist der Beitrag zur Pflegeversicherung?
Seit 1. Januar 2025 3,6 Prozent der beitragspflichtigen Einnahmen, für Kinderlose ab 23 Jahren 4,2 Prozent (Bundesgesundheitsministerium). Beschäftigte und Arbeitgeber tragen den Beitrag grundsätzlich je zur Hälfte, den Zuschlag für Kinderlose tragen die Beschäftigten allein (§ 58 SGB XI).
Verwandte Begriffe
Amtliche Quelle
- § 40 Abs. 2 SGB XI
- Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands
- § 1 SGB XI (Soziale Pflegeversicherung)
- § 20 SGB XI (Versicherungspflicht)
- § 23 SGB XI (Private Pflege-Pflichtversicherung)
- § 28 SGB XI (Leistungsarten)
- § 55 SGB XI (Beitragssatz)
- § 58 SGB XI (Tragung der Beiträge)
- § 140 SGB XI (Überleitung in die Pflegegrade)
- BMG: Finanzierung der sozialen Pflegeversicherung
- § 15 SGB XI (Pflegegrade)
- BMG: Leistungsempfänger der sozialen Pflegeversicherung nach Pflegegraden am 31.12.2025
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Stand 09/2026. Diese Seite gehört zur Einfach zum Angebot GmbH und ist damit kein neutraler Vergleich. Die Rechtsangaben stammen unverändert aus dem Gesetzestext.