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Glossar: Pflege-Fachbegriffe von Antrag bis Zuzahlung

72 Fachbegriffe aus Pflegeversicherung, Hilfsmittelverzeichnis und Antragsverfahren, jeweils mit Kurzdefinition und eigener Seite. Oben nach Themen sortiert, unten von A bis Z.

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Das Wichtigste in Kürze

  • Das Glossar erklärt 72 Begriffe, die in Bescheiden, Formularen und Gesprächen mit der Pflegekasse vorkommen.
  • Die Begriffe sind sechs Themen zugeordnet: Antrag und Begutachtung, Leistungen, Pflegebox, Hilfsmittelverzeichnis, Institutionen und Recht sowie Reform-Entwurf 2027.
  • Die häufigsten Missverständnisse entstehen bei Begriffspaaren wie Krankenkasse und Pflegekasse oder Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel; sie stehen unten in einer eigenen Tabelle.
  • Jede Definition nennt die Rechtsgrundlage, Beträge stammen aus dem Gesetzestext (Stand 09.10.2026).
Inhalt dieser Seite5 Abschnitte
  1. Fachbegriffe nach Thema
  2. Begriffspaare, die oft verwechselt werden
  3. Abkürzungen in Bescheiden und Formularen
  4. Häufige Fragen
  5. Mehr zum Thema

Fachbegriffe nach Thema

Wer einen Bescheid oder ein Gutachten liest, sucht selten alphabetisch. Die Tabelle ordnet die wichtigsten Begriffe deshalb dem Schritt zu, in dem sie typischerweise auftauchen.

Begriffspaare, die oft verwechselt werden

Viele Rückfragen der Kassen entstehen, weil zwei ähnlich klingende Begriffe vermischt werden. Die Unterschiede ergeben sich direkt aus dem Gesetz.

Unterschiede nach SGB V und SGB XI, Stand 09.10.2026
BegriffGegenstückDer Unterschied
PflegekasseKrankenkasseDie Pflegekasse ist bei der Krankenkasse errichtet, aber eine eigene Körperschaft nach § 46 SGB XI und zahlt Pflegeleistungen.
PflegehilfsmittelHilfsmittelPflegehilfsmittel zahlt die Pflegekasse (§ 40 SGB XI), Hilfsmittel wie Rollator oder Inkontinenzmaterial die Krankenkasse (§ 33 SGB V); siehe Abgrenzung.
Pflegehilfsmittel zum VerbrauchTechnische PflegehilfsmittelVerbrauchsprodukte bis 42 Euro im Monat ohne Zuzahlung (§ 40 Abs. 2); technische Hilfen oft leihweise, 10 Prozent Zuzahlung, höchstens 25 Euro (§ 40 Abs. 3).
KostenübernahmeKostenerstattungBei der Kostenübernahme rechnet der Lieferant direkt mit der Kasse ab; bei der Kostenerstattung zahlen Sie zuerst und reichen Belege ein (§ 40 Abs. 2 Satz 2 SGB XI).
PflegegeldPflegesachleistungPflegegeld erhalten Sie, wenn Angehörige pflegen (§ 37 SGB XI); Sachleistung bezahlt einen Pflegedienst (§ 36 SGB XI). Beides lässt sich als Kombinationsleistung mischen.
EntlastungsbetragPflegehilfsmittelpauschaleBis 131 Euro im Monat für Unterstützung im Alltag (§ 45b SGB XI) gegenüber bis 42 Euro für Verbrauchsprodukte (§ 40 Abs. 2 SGB XI); getrennte Ansprüche.

Abkürzungen in Bescheiden und Formularen

Diese Kürzel tauchen in Schreiben der Pflegekasse und im Hilfsmittelverzeichnis am häufigsten auf.

Viele Missverständnisse bei Anträgen entstehen an zwei Stellen: bei der Verwechslung von Kranken- und Pflegekasse und bei der Verwechslung von Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel. Beide Begriffspaare sind hier auseinandergehalten.

Abgrenzung Hilfsmittel und PflegehilfsmittelZwei ähnliche Begriffe mit unterschiedlichem Kostenträger.AnwendungsortDie zweite Ebene im Hilfsmittelverzeichnis. Sie sagt, wo oder wofür ein Hilfsmittel eingesetzt wird.BegutachtungDie Prüfung, ob und in welchem Umfang Pflegebedürftigkeit vorliegt.BescheidDie schriftliche Entscheidung der Pflegekasse.BettschutzeinlageSaugende Unterlage, die Matratze und Bettwäsche schützt.DekubitusDruckgeschwür durch anhaltenden Druck auf die Haut.DesinfektionsmittelMittel zur Abtötung oder Inaktivierung von Krankheitserregern.EinmalhandschuheSchutzhandschuhe für den einmaligen Gebrauch.EntlastungsbetragMonatlicher Betrag für Angebote zur Unterstützung im Alltag.EntlastungsbudgetGeplanter Begriff aus dem Kabinettsentwurf des Pflegeneuordnungsgesetzes vom 30.09.2026: Das Pflegegeld würde ab 2027 „im Umfang eines Entlastungsbudgets“ gezahlt. Vom Bundestag ist das noch nicht beschlossen.FFP2-MaskePartikelfiltrierende Halbmaske.FingerlingSchutzhülle für einen einzelnen Finger.FlächendesinfektionDesinfektion von Oberflächen wie Nachttisch, Bettgestell oder Toilettenstuhl.GesamtpunkteDas Ergebnis der Begutachtung, aus dem der Pflegegrad folgt.GKV-SpitzenverbandDer Spitzenverband Bund der Krankenkassen.HändedesinfektionDesinfektion der Hände vor und nach pflegerischen Handgriffen.Häusliche PflegePflege in der eigenen Wohnung oder im Haushalt einer Pflegeperson.HausnotrufSystem, mit dem im Notfall auf Knopfdruck Hilfe gerufen wird.HilfsmittelnummerDie zehnstellige Kennung eines Produkts im Hilfsmittelverzeichnis.HilfsmittelverzeichnisDas amtliche Verzeichnis aller Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel, geführt vom GKV-Spitzenverband.HöherstufungAntrag auf einen höheren Pflegegrad bei gestiegenem Hilfebedarf.InkontinenzUnkontrollierter Verlust von Urin oder Stuhl.InstitutionskennzeichenDie neunstellige Kennung eines Leistungserbringers oder Kostenträgers.KombinationsleistungMischung aus Pflegegeld und Pflegesachleistung.KostenerstattungRückerstattung selbst verauslagter Kosten gegen Beleg.KostenübernahmeDie Zusage der Pflegekasse, die Kosten direkt zu tragen.KrankenkasseTräger der gesetzlichen Krankenversicherung.KurzzeitpflegeVorübergehende vollstationäre Pflege in einer Einrichtung.LeistungserbringerEin Betrieb, der mit den Kassen abrechnen darf.Medizinischer DienstDer Gutachterdienst der gesetzlichen Kranken- und Pflegeversicherung.Medizinischer MundschutzMedizinische Gesichtsmaske, umgangssprachlich OP-Maske.Module der BegutachtungDie sechs Lebensbereiche, die bei der Begutachtung bewertet werden.MonatsprinzipDer Anspruch gilt je Kalendermonat und verfällt am Monatsende.§ 139 SGB VDie Rechtsgrundlage für das Hilfsmittelverzeichnis.§ 33 SGB VDie Norm für Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung.§ 40 SGB XIDie Norm, die den Anspruch auf Pflegehilfsmittel regelt.PflegeberatungAnspruch auf individuelle Beratung nach § 7a SGB XI.PflegebettHöhenverstellbares Bett zur Erleichterung der Pflege.PflegeboxUmgangssprachliche Bezeichnung für die monatliche Zusammenstellung der Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.PflegegeldGeldleistung für Pflegebedürftige der Pflegegrade 2 bis 5, die die Pflege selbst sicherstellen.PflegegradDer Pflegegrad beschreibt, wie stark die Selbständigkeit einer Person beeinträchtigt ist. Es gibt fünf Grade.PflegegutachtenDas Ergebnis der Begutachtung in schriftlicher Form.PflegehilfsmittelPflegehilfsmittel sind Gegenstände, die die Pflege erleichtern, Beschwerden lindern oder eine selbständigere Lebensführung ermöglichen.Pflegehilfsmittel zum VerbrauchProdukte, die bei der Pflege verbraucht werden und danach nicht mehr verwendbar sind.PflegehilfsmittelpauschaleGebräuchliche Bezeichnung für die Monatsobergrenze von 42 Euro.PflegekasseTräger der sozialen Pflegeversicherung. Jede gesetzliche Krankenkasse führt eine eigene Pflegekasse.PflegepersonWer eine pflegebedürftige Person nicht erwerbsmäßig in ihrer Häuslichkeit pflegt.PflegesachleistungLeistung für die Versorgung durch einen ambulanten Pflegedienst.PflegestützpunktWohnortnahe Beratungsstelle rund um Pflege.PflegeversicherungDie fünfte Säule der Sozialversicherung.PflegevertragVertrag zwischen pflegebedürftiger Person und einem Pflegedienst.PNOGAbkürzung für Pflegeneuordnungsgesetz, den Entwurf eines Gesetzes zur Neuordnung der Pflegeversicherung. Das Bundeskabinett hat ihn am 30.09.2026 beschlossen; vom Bundestag ist er noch nicht beschlossen.ProduktartDie vierte und unterste Ebene des Hilfsmittelverzeichnisses.ProduktgruppeDie oberste Ebene des Hilfsmittelverzeichnisses, erkennbar an den ersten beiden Ziffern der Nummer.SachleistungsprinzipGrundsatz, nach dem Versicherte Leistungen erhalten statt Geld.SchutzschürzeSchürze, die Kleidung bei der Pflege vor Nässe und Verschmutzung schützt.SchutzservietteEinmalserviette, die Kleidung beim Essen schützt, umgangssprachlich Lätzchen.SelbständigkeitDer Maßstab der Pflegebegutachtung.SGB VDas Fünfte Buch Sozialgesetzbuch regelt die gesetzliche Krankenversicherung.SGB XIDas Elfte Buch Sozialgesetzbuch regelt die soziale Pflegeversicherung.TagespflegeTeilstationäre Betreuung tagsüber mit Rückkehr nach Hause.Technische PflegehilfsmittelGeräte und Hilfen, die dauerhaft genutzt werden, etwa ein Pflegebett oder ein Hausnotrufsystem.UntergruppeDie dritte Ebene im Hilfsmittelverzeichnis, die gleichartige Produkte bündelt.VerhinderungspflegeErsatzpflege, wenn die Pflegeperson ausfällt.Vollstationäre PflegeDauerhafte Versorgung in einem Pflegeheim.WiderspruchRechtsbehelf gegen den Bescheid einer Pflegekasse.WischdesinfektionDesinfektion durch Wischen statt Sprühen.Wohnumfeldverbessernde MaßnahmeUmbau, der die Pflege zu Hause ermöglicht oder erleichtert.ZusatzbeitragKassenindividueller Beitragssatz zusätzlich zum allgemeinen Beitragssatz.ZuzahlungEigenanteil bei bestimmten Leistungen der Krankenversicherung.ZuzahlungsbefreiungBefreiung von Zuzahlungen ab einer Belastungsgrenze.

Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Hilfsmittel und Pflegehilfsmittel?

Pflegehilfsmittel erleichtern die Pflege und zahlt die Pflegekasse nach § 40 SGB XI. Hilfsmittel sichern eine Krankenbehandlung oder gleichen eine Behinderung aus und zahlt die Krankenkasse nach § 33 SGB V, etwa Rollator oder Inkontinenzmaterial.

Was bedeutet Pflegehilfsmittelpauschale?

So wird umgangssprachlich die Obergrenze von 42 Euro im Monat für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch genannt (§ 40 Abs. 2 SGB XI). Im Gesetz heißt es, die Aufwendungen der Pflegekasse dürfen diesen Betrag nicht übersteigen.

Was heißt PG in einem Schreiben der Pflegekasse?

Meist Pflegegrad. Im Hilfsmittelverzeichnis steht PG dagegen für Produktgruppe, etwa PG 54 für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.

Was ist der Unterschied zwischen Kostenübernahme und Kostenerstattung?

Bei der Kostenübernahme rechnet der Lieferant direkt mit der Pflegekasse ab. Bei der Kostenerstattung zahlen Sie zuerst selbst und reichen die Belege ein; § 40 Abs. 2 Satz 2 SGB XI lässt beides zu.

Amtliche Quelle

  1. § 40 Abs. 2 SGB XI
  2. § 33 SGB V (Hilfsmittel)
  3. § 36 SGB XI (Pflegesachleistung)
  4. § 37 SGB XI (Pflegegeld)
  5. § 45b SGB XI (Entlastungsbetrag)
  6. § 139 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis)
  7. § 46 SGB XI (Pflegekassen)
  8. Bundesministerium für Gesundheit: Pflegeneuordnungsgesetz (PNOG), Gesetzentwurf Kabinett 30.09.2026
  9. Medizinischer Dienst: MDK-Reform

So arbeiten wir mit Quellen

Mehr zum Thema

Stand 09/2026. Diese Seite gehört zur Einfach zum Angebot GmbH und ist damit kein neutraler Vergleich. Die Rechtsangaben stammen unverändert aus dem Gesetzestext.