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Therapielaufrad: Kostenträger, Eigenanteil und Antrag

Ein Laufrad aus dem Hilfsmittelverzeichnis ist kein gewöhnliches Kinderlaufrad. Hier steht, was die Position 22.51.05 umfasst, wann die Krankenkasse zahlt, warum Sie einen Eigenanteil tragen und wie sich das Laufrad von Zwei- und Dreirädern unterscheidet.

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  • Aktualisiert am
  • Redaktion Pflegebox Fachwelt · Fachlich verantwortlich: Julian Weber
  • 7 Min. Lesezeit

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22.51.05Ebene 3 · Untergruppe

Position im Hilfsmittelverzeichnis

Bezeichnung
Laufräder
Produktgruppe
22 Mobilitätshilfen
Kostenträger
Krankenkasse (§ 33 SGB V)
Teil der 42 Euro
nein

Das Wichtigste in Kürze

  • Laufräder stehen im Hilfsmittelverzeichnis unter 22.51.05 (Produktgruppe 22 „Mobilitätshilfen“). Es gibt eine Produktart, 22.51.05.0, mit derzeit zwei Einträgen.
  • Voraussetzung ist eine Behinderung, die die Erschließung des Nahbereichs einschränkt, etwa bei Rheuma oder Kleinwüchsigkeit. Die Krankenkasse ist zuständig (§ 33 SGB V), die Position steht nicht in der Liste der doppelfunktionalen Hilfsmittel.
  • Das Laufrad zählt zugleich als Hilfsmittel und als Gebrauchsgegenstand. Die Krankenkasse zahlt nur den Hilfsmittelanteil, Sie tragen einen Eigenanteil. Ab 18 Jahren kommt die gesetzliche Zuzahlung von 5 bis 10 Euro hinzu.
  • Ein handelsübliches Kinderlaufrad bezahlt die Krankenkasse nicht.
Inhalt dieser Seite11 Abschnitte
  1. Was das Hilfsmittelverzeichnis unter einem Laufrad versteht
  2. Krankenkasse: wer das Laufrad bezahlt
  3. Zuzahlung und Eigenanteil: zwei verschiedene Beträge
  4. Der Antrag in fünf Schritten
  5. Laufrad, Zweirad, Dreirad: die Abgrenzung in der Produktgruppe 22
  6. Wo diese Position steht
  7. Produktarten in dieser Position
  8. Was hier nicht dazugehört
  9. Häufige Fragen
  10. Mehr zum Thema
  11. Weiterlesen

Was das Hilfsmittelverzeichnis unter einem Laufrad versteht

Das Verzeichnis beschreibt das Laufrad als Fahrzeug aus Rohrrahmen, zwei Rädern, Sattel und Lenker, ähnlich einem Fahrrad. Es gibt aber keine Pedale, keine Kette und keine Schaltung. Sie sitzen auf dem Laufrad und stoßen sich mit den Füßen vom Boden ab oder gehen mit ihm. Das ist der Unterschied zum Therapierad, wie Händler Dreiräder nennen: Dort treten Sie.

Laufräder dieser Produktart sind behindertengerecht ausgeführt. Der Begriff „Therapielaufrad“ steht im Verzeichnis nicht, dort heißt die Produktart schlicht „Laufräder“.

Produktart 22.51.05.0 Laufräder (GKV-Spitzenverband, abgerufen 09.10.2026)
MerkmalAngabe im Verzeichnis (22.51.05.0)
Rahmentiefliegend, erleichtert Einstieg und Aufsitzen und senkt den Schwerpunkt
Bremsenzwei unabhängig voneinander arbeitende Bremsen
Sattelin Höhe und Abstand zum Lenker verstellbar, für die notwendige Sitzposition
Bereifungluftbereift, um Stöße zu dämpfen
Antriebkeiner, Abstoßen mit den Füßen oder Gehen
Einträgederzeit 2 (Eigenauszählung im Verzeichnisbaum, 09.10.2026)
Maße, Altersangabe, Preisnennt das Verzeichnis für die Produktart nicht; sie stehen in der Einzelproduktliste

Krankenkasse: wer das Laufrad bezahlt

Zuständig ist die Krankenkasse nach § 33 SGB V. Die Position 22.51.05 ist in Anlage 1 der Richtlinien zu doppelfunktionalen Hilfsmitteln (RidoHiMi, Fassung vom 24.06.2020) nicht aufgeführt. Die Pflegekasse prüft deshalb nicht nach § 40 Abs. 5 SGB XI mit, und Pflegehilfsmittel nach § 40 SGB XI sind Laufräder nicht.

Das Verzeichnis führt zwei Einschränkungen an, die zusammen den Eigenanteil erklären:

  • Gebrauchsgegenstand: Zwei- und Dreiräder sind laut Verzeichnis gleichzeitig Hilfsmittel und Gebrauchsgegenstände, weil sie Merkmale eines handelsüblichen Fahrrades haben. Die Leistungspflicht beschränkt sich auf das eigentliche Hilfsmittel. Ausdrücklich gilt das auch für die gelisteten Laufräder.
  • Handelsübliche Laufräder: Laufräder für (Klein-)Kinder aus dem Handel sind generell allgemeine Gebrauchsgegenstände und nicht Leistung der gesetzlichen Krankenversicherung (§ 33 Abs. 1 SGB V).
  • Radfahren als Sport: Allein das Fahrradfahren ist für Erwachsene kein Grundbedürfnis. Ein Anspruch besteht deshalb, wenn das Rad die Nahbereichsmobilität sichert, nicht weil Radfahren Freizeit ist.

Zuzahlung und Eigenanteil: zwei verschiedene Beträge

Zuzahlung ist der gesetzliche Betrag aus § 33 Abs. 8 und § 61 SGB V. Der Eigenanteil für den Gebrauchsgegenstandsanteil ist etwas anderes. Beides können Sie beim Laufrad treffen:

Zuzahlung nach § 33 Abs. 8 und § 61 Satz 1 SGB V; Eigenanteil nach dem Hinweis zu Produktgruppe 22 (GKV-Spitzenverband, abgerufen 09.10.2026)
Versicherte PersonGesetzliche ZuzahlungEigenanteil (Gebrauchsgegenstand)
unter 18 Jahrenkeineja, Höhe laut Bescheid und Kassenvertrag
ab 18 Jahren10 % des Abgabepreises, mindestens 5, höchstens 10 Euroja, Höhe laut Bescheid und Kassenvertrag
Handelsübliches Kinderlaufradentfällt, keine LeistungSie zahlen den vollen Preis
  • Höhe des Eigenanteils: Das Verzeichnis nennt keinen Betrag. Er ergibt sich aus dem Vertrag der Kasse mit dem Leistungserbringer und steht im Bescheid. Fragen Sie vor dem Kauf nach der Summe.
  • Befreiung: Wer die Belastungsgrenze nach § 62 SGB V erreicht hat, zahlt die gesetzliche Zuzahlung nicht mehr. Mehr unter Zuzahlungsbefreiung.
  • Mehrkosten: Wählen Sie eine Ausstattung über das Notwendige hinaus, tragen Sie die Mehrkosten und die daraus folgenden Folgekosten selbst (§ 33 Abs. 1 SGB V).

Der Antrag in fünf Schritten

Der Weg entspricht dem anderer Hilfsmittel der Krankenkasse. Beim Laufrad zählt vor allem die Begründung, warum der Nahbereich ohne das Rad nicht zu erschließen ist.

  1. Bedarf beschreibenHalten Sie fest, welche Wege Sie oder Ihr Kind im Nahbereich nicht mehr bewältigen und warum Gehhilfen oder ein Rollstuhl nicht reichen. Das Verzeichnis nennt als Fall die Behinderung im Zusammenhang mit der Erschließung des Nahbereichs.
  2. Verordnung einholenEine vertragsärztliche Verordnung ist nur nötig, soweit eine ärztliche Diagnose oder Therapieentscheidung medizinisch geboten ist (§ 33 Abs. 5a SGB V). Die Krankenkasse kann aber trotzdem eine Verordnung verlangen, wenn sie auf die Genehmigung verzichtet.
  3. Besonderheit bei Kindern und BehandlungszentrenWird die Person in einem sozialpädiatrischen Zentrum oder einem medizinischen Behandlungszentrum für Erwachsene mit geistiger Behinderung behandelt und dort innerhalb der letzten drei Wochen vor dem Antrag eine Hilfsmittelversorgung empfohlen, wird die Erforderlichkeit vermutet (§ 33 Abs. 5c SGB V).
  4. Antrag mit Kostenvoranschlag stellenSie können jeden Leistungserbringer nutzen, der Vertragspartner Ihrer Krankenkasse ist (§ 33 Abs. 6 SGB V). Die Kasse übernimmt die vertraglich vereinbarten Preise (§ 33 Abs. 7 SGB V). Beim Rad zählen Körpergröße und Körpergewicht für die Radgröße, so wie es das Verzeichnis für Zwei- und Dreiräder festhält.
  5. Bescheid prüfen, bei Ablehnung WiderspruchPrüfen Sie im Bescheid Eigenanteil und Zuzahlung. Bei einer Ablehnung können Sie Widerspruch einlegen und die Hilfsmittelnummer 22.51.05.0 nennen.

Laufrad, Zweirad, Dreirad: die Abgrenzung in der Produktgruppe 22

Die Untergruppen 22.51.01 bis 22.51.05 gehören zusammen, unterscheiden sich aber im Antrieb und in der Zielgruppe. Wer ein Therapierad sucht, landet oft bei einer anderen Position:

Untergruppen der Produktgruppe 22 und 18 (GKV-Spitzenverband, abgerufen 09.10.2026)
PositionWofürSeite
22.51.01 Zweiräder für Kinder und JugendlicheZweiräder mit Teleskopstützrädern für Kinder und Jugendliche, mit Merkmalen eines handelsüblichen FahrradesZweiräder
22.51.02 Dreiräder für Kinder und JugendlicheDreiräder mit Fußpedalantrieb für Kinder und JugendlicheDreiräder
22.51.03 Zubehör für Zwei- und DreiräderZurüstung des Rades, medizinisch zu begründen; dazu behinderungsgerechtes Zubehör für handelsübliche FahrräderZubehör
22.51.04 Restkraftverstärkende DreiräderDreiräder mit elektromotorischer RestkraftverstärkungRestkraftverstärkende Dreiräder
22.51.05 LaufräderFortbewegung ohne Pedale durch Abstoßen oder Gehendiese Seite
18.51.04 Vorspann- und EinhängefahrräderProduktgruppe 18, Handkurbelantrieb für Kinder und JugendlicheVorspannfahrräder

Wo diese Position steht

Die Nummer 22.51.05 liest sich von links nach rechts: 22 ist die Produktgruppe, 51 der Anwendungsort, 05 die Untergruppe. Je weiter rechts eine Ziffer steht, desto konkreter wird das Produkt.

Die Produktgruppe lautet 22 Mobilitätshilfen. Hinter der Nummerierung steht das Ziel, jedes Produkt eindeutig auffindbar zu machen. Welche Firma es herstellt oder liefert, spielt für die Einordnung keine Rolle.

Produktarten in dieser Position

Produktarten unter 22.51.05
22.51.05.0Laufräder

Was hier nicht dazugehört

Hilfsmittel nach § 33 SGB V und Pflegehilfsmittel nach § 40 SGB XI stehen im selben Verzeichnis, haben aber verschiedene Kostenträger. Das ist der häufigste Grund dafür, dass ein Antrag bei der falschen Stelle landet.

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Häufige Fragen

Wer hat Anspruch auf ein Therapiefahrrad?

Der Begriff steht nicht im Verzeichnis. Für die Räder 22.51.01 bis 22.51.04 nennt es Kinder und Jugendliche bis 18 mit erheblichen Beeinträchtigungen der Mobilität. Beim Laufrad (22.51.05) ist die Indikation eine Behinderung im Zusammenhang mit der Erschließung des Nahbereichs, etwa Rheuma oder Kleinwüchsigkeit, ohne Altersgrenze.

Muss die Krankenkasse ein Dreirad für Erwachsene zahlen?

Nicht in jedem Fall. Radfahren allein ist für Erwachsene kein Grundbedürfnis. Die Krankenkasse prüft aber im Einzelfall, ob ein Zwei- oder Dreirad in Betracht kommt, zum Beispiel bei kleinwüchsigen Erwachsenen oder ergänzend zu einer Heilmitteltherapie. Das Verzeichnis verweist dazu auf ein Urteil des Bundessozialgerichts vom 07.05.2020.

Was ist ein Therapiefahrrad?

Als Therapiefahrrad bezeichnen Händler meist Dreiräder und Spezialräder. Im Hilfsmittelverzeichnis heißen die Produkte Zweiräder, Dreiräder und Laufräder (22.51.01 bis 22.51.05). Ein Laufrad hat im Unterschied dazu keine Pedale.

Ist ein Fahrrad als medizinisches Hilfsmittel zulässig?

Ja, aber nur das eigentliche Hilfsmittel. Das Verzeichnis führt Zwei-, Drei- und Laufräder als Hilfsmittel und zugleich als Gebrauchsgegenstände. Die Kasse zahlt nur den Hilfsmittelanteil, Sie tragen einen Eigenanteil. Ein handelsübliches Rad ist kein Hilfsmittel.

Zahlt die Krankenkasse ein Laufrad?

Ja, wenn eine Behinderung die Erschließung des Nahbereichs einschränkt und das Laufrad in der Position 22.51.05 gelistet ist. Ab 18 Jahren zahlen Sie 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, dazu den Eigenanteil. Ein handelsübliches Kinderlaufrad übernimmt die Kasse nicht.

Amtliche Quelle

  1. Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands
  2. § 33 SGB V (Hilfsmittel)
  3. § 139 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis)
  4. § 61 SGB V (Zuzahlungen)
  5. § 62 SGB V (Belastungsgrenze)
  6. GKV-Spitzenverband: Richtlinien zur Festlegung der doppelfunktionalen Hilfsmittel (RidoHiMi), Fassung vom 24.06.2020, PDF (abgerufen 09.10.2026)
  7. GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktgruppe 22 Mobilitätshilfen (abgerufen 09.10.2026)
  8. GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 22.51.05.0 Laufräder (abgerufen 09.10.2026)

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Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 09/2026. Betreiber ist die Einfach zum Angebot GmbH, die selbst eine Pflegebox anbietet. Wir ersetzen keine Sozialrechtsberatung.

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Julian Weber

Julian Weber, Geschäftsführer der Einfach zum Angebot GmbH. Das Unternehmen vermittelt Pflegeboxen und betreibt den verlinkten Shop; daraus kennt er Antrag, Abrechnung mit den Pflegekassen und die Produktauswahl aus der Praxis.

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