Beinbeutel für Urin: Größen, Wechsel, Kasse und Zuzahlung (15.25.05)
Der Beinbeutel ist der Urinbeutel für unterwegs. Das Hilfsmittelverzeichnis kennt sechs Arten, vom kleinen sterilen Beutel bis zum Beutel für den Rollstuhl. Hier steht, welche Größe es sein muss, wann ein Beinbeutel gewechselt wird, worauf es beim Anbringen ankommt und was die Krankenkasse zahlt.
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- Aktualisiert am
- Redaktion Pflegebox Fachwelt · Fachlich verantwortlich: Julian Weber
- 8 Min. Lesezeit
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Position im Hilfsmittelverzeichnis
- Bezeichnung
- Urin-Beinbeutel
- Produktgruppe
- 15 Inkontinenzhilfen
- Kostenträger
- Krankenkasse (§ 33 SGB V)
- Teil der 42 Euro
- nein
Das Wichtigste in Kürze
- Das Verzeichnis führt unter 15.25.05 sechs Produktarten: unsteril (.1), steril (.3), steril unter 400 Milliliter (.4), für Rollstuhlfahrer unsteril und steril (.5 und .6) und mit Entlüftung (.7). Alle haben Rückflusssperre, verschließbares Ablassventil und Befestigungsösen.
- Das Mindestvolumen beträgt 400 Milliliter bei .1, .3 und .5. Die kleine sterile Art .4 fasst 100 bis 399 Milliliter. Der Schlauch muss so lang sein, dass der Beutel unterhalb des Blasenniveaus befestigt werden kann.
- Einen festen Wechseltakt gibt es nicht: Der Hersteller muss das Wechselintervall angeben, bei Katheter-Versorgung empfiehlt die KRINKO keinen Wechsel nach festen Intervallen, sondern nach Anlass und ärztlicher Anweisung.
- Beinbeutel sind Hilfsmittel der Krankenkasse (§ 33 SGB V) und brauchen eine Verordnung. Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent des Monatsbedarfs, höchstens 15 Euro. Die Pflegekasse und die 42 Euro der Pflegebox sind dafür nicht zuständig.
Inhalt dieser Seite11 Abschnitte
- Sechs Produktarten: Volumen, steril, Rollstuhl, Entlüftung
- Steril oder unsteril: wem das Verzeichnis welche Art zuordnet
- Wie oft wird ein Beinbeutel gewechselt?
- Anbringen und Tragen: Grundregeln
- Wer zahlt: Krankenkasse, Verordnung und Zuzahlung
- Einordnung im Verzeichnis
- Produktarten in dieser Position
- Was hier nicht dazugehört
- Häufige Fragen
- Weiterlesen
Sechs Produktarten: Volumen, steril, Rollstuhl, Entlüftung
Alle Beinbeutel der Untergruppe bestehen laut Verzeichnis aus einem Urinbeutel mit Rückflusssperre, einem Anschlussschlauch, Befestigungsösen für Bänder und einem Ablassventil. Der Anschlussschlauch ist nach den Anforderungen so lang, dass der Beutel unterhalb des Blasenniveaus befestigt werden kann. Wer nach der Größe fragt: Das Mindestvolumen liegt bei 400 Milliliter, die kleinere Art .4 deckt 100 bis 399 Milliliter ab.
Die Art .7 hat ein Entlüftungsventil oder Druckausgleichssystem. Es verhindert bei schwallartiger Entleerung der Blase ein Vakuum. Die Rollstuhl-Beutel (.5 und .6) sind an die Sitzhaltung angepasst, abgewinkelt am Knie oder mit schrägem, knickfreiem Einlauf, mit Befestigung am Oberschenkel und einem Ablaufschlauch von etwa 50 Zentimeter.
| Nr. | Produktart | Merkmal laut Verzeichnis | Einträge (besetzt) |
|---|---|---|---|
| 15.25.05.1 | Beinbeutel mit Ablauf, unsteril | mindestens 400 ml | 113 (68) |
| 15.25.05.3 | Beinbeutel mit Ablauf, steril | mindestens 400 ml, Einzelverpackung | 110 (73) |
| 15.25.05.4 | Beinbeutel mit Ablauf, unter 400 ml | 100 bis 399 ml, steril, Einzelverpackung | 7 (3) |
| 15.25.05.5 | für Rollstuhlfahrer, unsteril | mindestens 400 ml, angepasste Form, Schlauch ca. 50 cm | 40 (26) |
| 15.25.05.6 | für Rollstuhlfahrer, steril | angepasste Form, steril, Einzelverpackung | 26 (9) |
| 15.25.05.7 | mit Ablauf und Entlüftung | Entlüftungsventil oder Druckausgleich | 2 (2) |
- Die Produktinformation muss außerdem Größen, Volumen und die Angabe enthalten, ob die am Bein anliegende Seite textil beschichtet ist.
- Welche Art zu Ihrer Versorgung passt, legen Ärztin oder Arzt und der beratende Vertragspartner fest.

Inhalt der Grafik als Text
Mit mindestens 400 Milliliter: unsteril (15.25.05.1), steril (15.25.05.3) und für Rollstuhlfahrer unsteril (15.25.05.5). Klein und steril: 100 bis 399 Milliliter (15.25.05.4).
Für Rollstuhlfahrer steril (15.25.05.6) mit abgewinkelter Beutelform und etwa 50 Zentimeter langem Ablaufschlauch; mit Entlüftung (15.25.05.7) gegen Vakuum bei schwallartiger Entleerung.
Steril oder unsteril: wem das Verzeichnis welche Art zuordnet
Das Verzeichnis nennt zu den externen Urinableitern (15.25.04): An ein Urinalkondom werden in der Regel unsterile Urinbein- oder -bettbeutel angeschlossen. Sterile Beutel sind einzeln verpackt. Eine pauschale Regel, wer welche Art braucht, gibt es nicht; die Zuordnung ergibt sich aus der Versorgung. Für den Einsatz am Dauerkatheter beschreibt die KRINKO ein steriles, kontinuierlich geschlossenes Ableitsystem, das eigene Beutel mit Tropfkammer führt, siehe Katheterbeutel für geschlossene Systeme (15.25.07).
| Frage | Beinbeutel (15.25.05) | Bettbeutel (15.25.06) | Geschlossenes System (15.25.07) |
|---|---|---|---|
| Mindestvolumen | 400 ml (klein: 100 bis 399 ml) | 1.000 ml mit Ablauf, 1.500 ml ohne Ablauf | 800 bis 1.000 ml (kombiniert) |
| Einsatz | tagsüber am Bein, im Rollstuhl | nachts am Bett | dauerhaft am Katheter |
| Tropfkammer | in der Beschreibung nicht genannt | in der Beschreibung nicht genannt | ja, belüftet |
- Bettbeutel für die Nacht: Urin-Bettbeutel (15.25.06).
- Urinalkondom statt Katheter: Externe Urinableiter (15.25.04).
Wie oft wird ein Beinbeutel gewechselt?
Das Verzeichnis nennt keine Tageszahl. Es verlangt vom Hersteller Angaben zu den Wechselintervallen, und die Beschreibung jeder Art verweist darauf: Bezüglich der Wechselintervalle sind die Herstellerangaben zu berücksichtigen. Shops nennen für einzelne Produkte bis zu 14 Tage Liegezeit; das ist eine Produktangabe und keine allgemeine Regel.
Bei einem Blasenverweilkatheter hat nach der KRINKO-Empfehlung 2015 ein Wechsel von Katheter oder Auffangbeutel nach festen Intervallen keine Vorteile bei der Infektionsvorbeugung gebracht. Gewechselt wird bei Infektion, Inkrustation, Obstruktion, Verschmutzung oder technischem Defekt nach ärztlicher Indikation, und beim Katheterwechsel tauscht man das gesamte Ableitsystem aus. Die Empfehlung richtet sich an Einrichtungen und ersetzt keine Anweisung für Ihren Einzelfall. Mehr dazu auf der Seite zu den geschlossenen Systemen.
Tagsüber Beinbeutel, nachts Bettbeutel: Die KRINKO sieht für mobile Personen eine Ausnahme vom Grundsatz, Katheter und Schlauch nicht zu trennen. Beim Wechsel zwischen Bein- und Nachtbeutel ist die Verbindungsstelle vorher mit einem alkoholischen Präparat zu desinfizieren, und die erneute Verbindung erfolgt unter aseptischen Bedingungen.
Anbringen und Tragen: Grundregeln
Eine Schritt-für-Schritt-Anleitung gehört zur Einweisung durch Ihren Vertragspartner: Das Verzeichnis verlangt dafür eine persönliche Einweisung, bei Bedarf mit probeweiser Durchführung der vollständigen Versorgung. Die folgenden Grundregeln stammen aus den Anforderungen des Verzeichnisses und der KRINKO-Empfehlung.
- Beutel unter dem Blasenniveau befestigenDer Schlauch ist nach den Anforderungen lang genug, dass der Beutel unterhalb der Blase hängt. Befestigt wird er mit Bändern an den Ösen am Bein. Der Beutel hat keinen Bodenkontakt.
- Schlauch frei führenKein Knick, keine durchhängende Schlaufe, in der Urin länger steht. Beim Sitzen im Rollstuhl hilft ein Beutel mit angepasster Form (.5 und .6).
- Rechtzeitig leerenDer Beutel wird geleert, bevor der Urin die Rückflusssperre erreicht. Dazu keimarme Einmalhandschuhe tragen, siehe Einmalhandschuhe als Hilfsmittel.
- Ablassstutzen sauber haltenBeim Entleeren darf der Stutzen das Auffanggefäß nicht berühren, nichts soll nachtropfen. Das Gefäß gehört nur zu einer Person.
- Hautkontakt beobachtenDas Verzeichnis nennt eine textile Beschichtung an der am Bein anliegenden Seite als Produktmerkmal. Rötungen oder Druckstellen sprechen Sie beim Pflegedienst oder in der Arztpraxis an.
Wer zahlt: Krankenkasse, Verordnung und Zuzahlung
Beinbeutel gehören zur Produktgruppe 15 und sind Hilfsmittel der Krankenkasse nach § 33 SGB V. Die Verordnung kommt in Betracht, wenn die Versorgung medizinisch indiziert und im Einzelfall erforderlich ist. Die IKK Südwest verlangt in ihrer Versicherteninformation (12/2022) eine ärztliche Verordnung mit Diagnose, Menge und Versorgungszeitraum. Sie nennt Beinbeutel mit Einbeinhose oder Haltebändern ausdrücklich.
Die 42 Euro der Pflegebox sind für andere Produkte gedacht, etwa Pflegehilfsmittel zum Verbrauch, nicht für Beutel. Das Verzeichnis verlangt vom Vertragspartner außerdem, dass die Beratung sich am Expertenstandard „Förderung der Harnkontinenz in der Pflege“ orientiert, dass eine mehrkostenfreie Auswahl angeboten wird und dass bei Erstversorgung oder Produktwechsel mögliche Alternativen getestet werden. Lieferumfang und Lieferintervall stimmen Sie mit ihm ab.
Die IKK Südwest wendet auf ableitende Inkontinenzhilfen die Zuzahlungsregel für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel an: 10 Prozent des Monatsbedarfs. Nach § 33 Abs. 8 Satz 3 SGB V sind es höchstens 15 Euro (die Broschüre nennt noch 10 Euro). Unter 18 Jahren und ab der Belastungsgrenze nach § 62 SGB V entfällt die Zuzahlung.
| Monatsbedarf (Beispiel) | Zuzahlung | Anmerkung |
|---|---|---|
| 18 Euro | 1,80 Euro | 10 Prozent |
| 95 Euro | 9,50 Euro | 10 Prozent |
| 160 Euro | 15,00 Euro | Höchstbetrag je Monatsbedarf |
- Wer die Belastungsgrenze erreicht, zahlt nichts mehr zu: Zuzahlungsbefreiung.
- Alle Positionen der Gruppe im Überblick: Inkontinenzhilfen (Produktgruppe 15).
Einordnung im Verzeichnis
Die Nummer 15.25.05 liest sich von links nach rechts: 15 ist die Produktgruppe, 25 der Anwendungsort, 05 die Untergruppe. Je weiter rechts eine Ziffer steht, desto konkreter wird das Produkt.
Die Produktgruppe lautet 15 Inkontinenzhilfen. Hinter der Nummerierung steht das Ziel, jedes Produkt eindeutig auffindbar zu machen. Welche Firma es herstellt oder liefert, spielt für die Einordnung keine Rolle.
Produktarten in dieser Position
| 15.25.05.1 | Beinbeutel mit Ablauf, unsteril |
|---|---|
| 15.25.05.3 | Beinbeutel mit Ablauf, steril |
| 15.25.05.4 | Beinbeutel, mit Ablauf (< 400 Milliliter) |
| 15.25.05.5 | Beinbeutel für Rollstuhlfahrer, mit Ablauf, unsteril |
| 15.25.05.6 | Beinbeutel für Rollstuhlfahrer, mit Ablauf, steril |
| 15.25.05.7 | Beinbeutel mit Ablauf und Entlüftung |
Was hier nicht dazugehört
Diese Doppelstruktur ist historisch gewachsen. Für Versicherte bedeutet sie vor allem eines: Vor dem Antrag lohnt der Blick auf die Produktgruppe.
Gehört das zu meiner Pflegebox?
Der Anspruchs-Check klärt in einer Minute, was über die Pflegekasse läuft und was nicht.
Zum Pflegebox-CheckHäufige Fragen
Was ist ein Beinbeutel?
Ein Urinbeutel zum Befestigen am Bein, mit Rückflusssperre, Ablassventil und Befestigungsösen. Im Verzeichnis stehen sechs Arten (15.25.05.1 bis .7), steril oder unsteril, auch für Rollstuhlfahrer und mit Entlüftung.
Wie oft muss ein Beinbeutel gewechselt werden?
Eine feste Zahl nennt das Verzeichnis nicht, der Hersteller gibt das Intervall an. Bei Katheter-Versorgung empfiehlt die KRINKO keinen Wechsel nach festen Intervallen, sondern bei Infektion, Verschmutzung oder Defekt nach ärztlicher Indikation. Maßgeblich ist die Gebrauchsanweisung.
Wie lege ich einen Beinbeutel an?
Der Beutel wird mit Bändern an den Ösen am Bein befestigt und hängt unterhalb des Blasenniveaus, ohne Bodenkontakt und ohne geknickten Schlauch. Eine Anleitung am eigenen Körper gibt der Vertragspartner bei der Einweisung, dazu gehört bei Bedarf eine probeweise Durchführung.
Welche Größe hat ein Beinbeutel?
Das Mindestvolumen beträgt laut Verzeichnis 400 Milliliter bei den Arten .1, .3 und .5. Die kleine sterile Art .4 fasst 100 bis 399 Milliliter. Welche Größe passt, entscheiden Ärztin oder Arzt und der beratende Vertragspartner.
Zahlt die Krankenkasse Beinbeutel?
Ja, bei ärztlicher Verordnung und medizinischer Erforderlichkeit (§ 33 SGB V). Die Zuzahlung beträgt 10 Prozent des Monatsbedarfs, höchstens 15 Euro, und entfällt bei Kindern und Jugendlichen und ab der Belastungsgrenze. Die Pflegekasse ist nicht zuständig.
Wann nimmt man einen sterilen Beinbeutel?
Das Verzeichnis legt das nicht pauschal fest. An Urinalkondome werden in der Regel unsterile Beutel angeschlossen, sterile Beinbeutel (.3, .4, .6) sind einzeln verpackt. Die Wahl hängt von der Versorgung ab, die Ärztin oder der Arzt entscheidet.
Offizielle Quelle
- Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands
- § 33 SGB V (Hilfsmittel)
- § 139 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis)
- GKV-Spitzenverband: Fortschreibung der Produktgruppe 15 vom 30.01.2025, Bekanntmachung (PDF, Abruf 09.10.2026)
- GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktgruppe 15 Inkontinenzhilfen (Abruf 09.10.2026)
- GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 15.25.05.1 Beinbeutel mit Ablauf, unsteril (Abruf 09.10.2026)
- GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 15.25.05.5 Beinbeutel für Rollstuhlfahrer, unsteril (Abruf 09.10.2026)
- GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 15.25.05.7 Beinbeutel mit Ablauf und Entlüftung (Abruf 09.10.2026)
- KRINKO beim RKI: Prävention und Kontrolle Katheter-assoziierter Harnwegsinfektionen (Bundesgesundheitsblatt 2015; 58: 641-650)
- § 61 SGB V (Zuzahlungen)
- § 62 SGB V (Belastungsgrenze)
- IKK Südwest: Versicherteninformation ableitende Inkontinenzhilfen (Broschüre 12/2022, Abruf 09.10.2026)
- Katheterbeutel für geschlossene Systeme (15.25.07)
- Urin-Bettbeutel (15.25.06)
- Externe Urinableiter und Urinalkondome (15.25.04)
- Inkontinenzhilfen im Überblick (Produktgruppe 15)
- Einmalhandschuhe als Hilfsmittel (19.99.01)
- Zuzahlungsbefreiung: Begriff im Glossar
- Hilfsmittelverzeichnis: Aufbau und Suche
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