Stuhlauffangbeutel: Kostenübernahme, Aufbau und Alternativen
Ein Stuhlauffangbeutel, im Handel oft Fäkalkollektor genannt, fängt Stuhl in einem geruchsdichten Beutel auf, der mit einer Klebefläche an der Haut sitzt. Hier steht, wann das Hilfsmittelverzeichnis ihn vorsieht, wer zahlt, was Sie zuzahlen und welche Alternativen es gibt.
- Quellen geprüft:
- Aktualisiert am
- Redaktion Pflegebox Fachwelt · Fachlich verantwortlich: Julian Weber
- 9 Min. Lesezeit
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Position im Hilfsmittelverzeichnis
- Bezeichnung
- Stuhlauffangbeutel
- Produktgruppe
- 15 Inkontinenzhilfen
- Kostenträger
- Krankenkasse (§ 33 SGB V)
- Teil der 42 Euro
- nein
Das Wichtigste in Kürze
- Stuhlauffangbeutel stehen im Hilfsmittelverzeichnis unter 15.25.10 (Produktgruppe 15 „Inkontinenzhilfen“) mit genau einer Produktart: Stuhlauffangbeutel mit Klebefläche (15.25.10.0).
- Das Verzeichnis sieht sie bei Stuhlinkontinenz vor, wenn aufsaugende Inkontinenzhilfen nicht möglich oder nicht ausreichend zweckmäßig sind. Zuständig ist die Krankenkasse nach § 33 SGB V, nicht die Pflegekasse.
- Sie zahlen ab 18 Jahren 10 Prozent des von der Kasse zu übernehmenden Betrags, höchstens 15 Euro für den gesamten Monatsbedarf (§ 33 Abs. 8 Satz 3 SGB V). Das gilt für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel, also auch für Beutel, die nach dem Gebrauch entsorgt werden.
- Mit den 42 Euro für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch hat das nichts zu tun, und ein Pflegegrad ist keine Voraussetzung.
Inhalt dieser Seite12 Abschnitte
- Was das Hilfsmittelverzeichnis unter einem Stuhlauffangbeutel versteht
- Wann die Krankenkasse einen Stuhlauffangbeutel bezahlt
- Zuzahlung: so rechnen Sie den Monatsbedarf
- Stuhlinkontinenz: welche Position passt wann
- Der Weg zum Stuhlauffangbeutel in fünf Schritten
- Abgrenzung: Pflegebox, Stuhldrainage und Zubehör
- Einordnung im Verzeichnis
- Produktarten in dieser Position
- Wo die Grenze verläuft
- Häufige Fragen
- Weiterlesen
Was das Hilfsmittelverzeichnis unter einem Stuhlauffangbeutel versteht
Das Verzeichnis kennt unter 15.25.10 eine einzige Produktart: Stuhlauffangbeutel mit Klebefläche. Sie bestehen aus einer geruchs- und flüssigkeitsdichten Folie, einer daran befestigten Hautschutzplatte mit mikroporöser Klebefläche und einem wiederverschließbaren Ausstreifventil. Ein eingebautes Thermometer und Gasventil erlaubt die Temperaturmessung und lässt Darmgase entweichen. „Fäkalkollektor“ ist die im Handel übliche Bezeichnung für dieselbe Art von Produkt.
Die Produktgruppe 15 ordnet den Stuhlauffangbeutel den ableitenden Inkontinenzhilfen zu. Diese leiten Urin und oder dünnflüssigen bis breiigen Stuhl in einen Auffangbeutel ab. Das ist ein anderer Ansatz als bei Vorlagen und Windelhosen, die Ausscheidungen im Material aufnehmen.
| Merkmal | Angabe im Verzeichnis |
|---|---|
| Position | 15.25.10.0 Stuhlauffangbeutel mit Klebefläche |
| Indikation | Aufnahme von Stuhl bei Stuhlinkontinenz, wenn die Versorgung mit aufsaugenden Inkontinenzhilfen nicht möglich oder nicht ausreichend zweckmäßig ist |
| Aufbau | Folie, Hautschutzplatte mit mikroporöser Klebefläche, Ausstreifventil, Thermometer und Gasventil |
| Anwendungsort | häusliche Umgebung oder sonstiges privates Umfeld |
| Nicht genannt | Fassungsvermögen, Tragedauer, Preis; sie ergeben sich aus Herstellerangaben und dem Kassenvertrag |

Inhalt der Grafik als Text
Hautschutzplatte mit mikroporöser Klebefläche: Sie hält den Beutel am Körper und hat eine Öffnung zur Stuhlaufnahme.
Folienbeutel: geruchs- und flüssigkeitsdicht. Ein wiederverschließbares Ausstreifventil erlaubt das Entleeren; ein eingebautes Thermometer und Gasventil messen die Temperatur und lassen Darmgase entweichen (Verzeichnis, Produktart 15.25.10.0).
Wann die Krankenkasse einen Stuhlauffangbeutel bezahlt
Die Krankenkasse zahlt, wenn der Beutel im Einzelfall erforderlich ist, um eine Behinderung auszugleichen (§ 33 Abs. 1 SGB V). Das Verzeichnis verlangt dafür zwei Dinge: Der Einsatz muss medizinisch indiziert sein, und er muss Sie in die Lage versetzen, Grundbedürfnisse des täglichen Lebens zu erfüllen und teilzuhaben. Bei Stuhlinkontinenz kommt der Stuhlauffangbeutel nach der Indikation in Betracht, wenn aufsaugende Produkte nicht möglich oder nicht ausreichend zweckmäßig sind.
Die Pflegekasse ist nicht zuständig. Sie leistet nach § 40 Abs. 1 SGB XI nur, soweit Hilfsmittel nicht von der Krankenversicherung zu leisten sind. Die Position 15.25.10 steht auch nicht in Anlage 1 der Richtlinien zu doppelfunktionalen Hilfsmitteln (RidoHiMi, Fassung vom 24.06.2020); die dort gelisteten Produktgruppen sind 04, 18, 19, 20, 22, 33 und 50. Die 42 Euro für zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel bleiben deshalb unberührt.
- Gleichzeitige Versorgung: Bei ableitenden Inkontinenzhilfen kann zusätzlich eine aufsaugende Versorgung nötig sein, zum Beispiel bei Stuhlinkontinenz. Das Verzeichnis nennt das ausdrücklich.
- Überprüfung: Die Notwendigkeit einer Inkontinenzversorgung sollte regelmäßig von der behandelnden Ärztin oder dem behandelnden Arzt überprüft werden. Rechnen Sie bei Folgeverordnungen mit dieser Rückfrage.
- Mehrkosten: Wählen Sie ein Produkt, das über das Notwendige hinausgeht, tragen Sie Mehrkosten und Folgekosten selbst (§ 33 Abs. 1 SGB V). Die Kasse übernimmt die vertraglich vereinbarten Preise (§ 33 Abs. 7).
- Vollstationäre Pflege: Die Pflegeeinrichtung muss die für den üblichen Pflegebetrieb notwendigen Hilfsmittel vorhalten (§ 33 Abs. 1 SGB V). Fragen Sie im Heim, was dazu zählt.
Zuzahlung: so rechnen Sie den Monatsbedarf
Stuhlauffangbeutel sind Einmalprodukte, die laufend gebraucht werden. Für zum Verbrauch bestimmte Hilfsmittel gilt eine eigene Regel: Sie zahlen 10 Prozent des insgesamt von der Krankenkasse zu übernehmenden Betrags, höchstens 15 Euro für den gesamten Monatsbedarf (§ 33 Abs. 8 Satz 3 SGB V). Es zählt die Summe des Monats, nicht der einzelne Beutel. Die Spanne von 5 bis 10 Euro je Mittel aus § 61 SGB V ist dafür nicht maßgeblich. Wer noch nicht 18 ist, zahlt nichts zu.
Die Beispiele arbeiten mit erfundenen Preisen; maßgeblich ist der Kassenvertrag, den Ihr Leistungserbringer kennt. Ob Ihr Lieferant die Abgabe als Verbrauchsartikel abrechnet, sehen Sie an der Zuzahlungsquittung.
| Monatsbedarf (Beispiel) | 10 Prozent | Ihre Zuzahlung |
|---|---|---|
| 80 Euro | 8,00 Euro | 8,00 Euro |
| 120 Euro | 12,00 Euro | 12,00 Euro |
| 250 Euro | 25,00 Euro | 15,00 Euro (Obergrenze je Monat) |
Stuhlinkontinenz: welche Position passt wann
Die Produktgruppe 15 hält mehrere Wege für Stuhlinkontinenz bereit. Das Verzeichnis ordnet sie so ein:
| Position | Wirkprinzip nach Verzeichnis | Seite |
|---|---|---|
| 15.25.10 Stuhlauffangbeutel | leitet dünnflüssigen bis breiigen Stuhl in einen Beutel ab, der an der Haut klebt | diese Seite |
| 15.25.17 Analtampons | verschließen den Enddarm vorübergehend, danach folgt der Stuhlgang | Analtampons |
| 15.25.30 Aufsaugende Vorlagen | saugen Urin und fangen Stuhlgang auf, getragen in einer Fixierhose | Aufsaugende Vorlagen |
| 15.25.31 Aufsaugende Hosen | Windelhosen mit Verschluss oder Unterhosen ohne Verschluss | Aufsaugende Hosen |
Der Weg zum Stuhlauffangbeutel in fünf Schritten
Den Beutel bekommen Sie über die Krankenkasse und einen ihrer Vertragspartner. Eine Pflegegradfeststellung brauchen Sie dafür nicht.
- Bedarf ärztlich klärenBesprechen Sie mit Ihrer Hausärztin oder Ihrem Hausarzt, warum aufsaugende Produkte nicht möglich oder nicht ausreichend sind. Das ist die Indikation, die das Verzeichnis verlangt. Eine vertragsärztliche Verordnung ist nötig, soweit eine ärztliche Diagnose oder Therapieentscheidung medizinisch geboten ist (§ 33 Abs. 5a SGB V).
- Empfehlung einer Pflegefachperson nutzenEmpfiehlt eine Pflegefachperson das Hilfsmittel bei der Antragstellung, kann sie das nach § 40 Abs. 6 SGB XI in Textform bestätigen; die Empfehlung darf bei Antragstellung nicht älter als zwei Wochen sein. Dann gilt die Erforderlichkeit unter den Voraussetzungen der Richtlinien nach § 17a SGB XI als vermutet.
- Vertragspartner wählenSie können jeden Leistungserbringer nutzen, der Vertragspartner Ihrer Krankenkasse ist (§ 33 Abs. 6 SGB V). Fragen Sie bei der Kasse nach den Lieferstellen.
- Einweisung verlangenZum Anspruch gehört die Ausbildung im Gebrauch (§ 33 Abs. 1 SGB V). Lassen Sie sich das Anlegen, das Ausstreifen und den Wechsel zeigen und halten Sie sich an die Gebrauchsanweisung des Herstellers; das Verzeichnis nennt keine Tragedauer.
- Folgeverordnung und HautkontrolleDie Versorgung wird regelmäßig ärztlich überprüft. Melden Sie Hautreizungen, Schmerzen oder wiederkehrende Undichtigkeit der Ärztin, dem Arzt oder dem Pflegedienst, statt die Beutel häufiger zu wechseln oder zu improvisieren.
Abgrenzung: Pflegebox, Stuhldrainage und Zubehör
Die Pflegebox mit den 42 Euro im Monat enthält zum Verbrauch bestimmte Pflegehilfsmittel wie Bettschutzeinlagen oder Einmalhandschuhe, siehe Pflegehilfsmittel zum Verbrauch. Beim Wechseln des Beutels brauchen Sie solche Artikel, sie sind aber eine eigene Leistung: Bettschutzeinlagen und Einmalhandschuhe.
Systeme zur Stuhldrainage, die in der Klinik eingesetzt werden, sind nicht Gegenstand dieser Seite. Das Verzeichnis nimmt Produkte aus, die im Rahmen ärztlicher Behandlung oder Klinikversorgung abgegeben und abgerechnet werden. Welches Produkt bei Ihnen zu Hause infrage kommt, klären Sie ärztlich.
Einordnung im Verzeichnis
Die Nummer 15.25.10 liest sich von links nach rechts: 15 ist die Produktgruppe, 25 der Anwendungsort, 10 die Untergruppe. Je weiter rechts eine Ziffer steht, desto konkreter wird das Produkt.
Die Produktgruppe lautet 15 Inkontinenzhilfen. Das Verzeichnis ist kein Bestellkatalog, sondern ein Ordnungssystem nach § 139 SGB V. Aus der Position ergibt sich die Einordnung, nicht der Anbieter.
Produktarten in dieser Position
| 15.25.10.0 | Stuhlauffangbeutel mit Klebefläche |
|---|
Wo die Grenze verläuft
Dass beide Bereiche gemeinsam geführt werden, sorgt regelmäßig für Verwechslungen. Die Zuständigkeit ergibt sich nicht aus dem Verzeichnis, sondern aus dem jeweiligen Sozialgesetzbuch.
Gehört das zu meiner Pflegebox?
Der Anspruchs-Check klärt in einer Minute, was über die Pflegekasse läuft und was nicht.
Zum Pflegebox-CheckHäufige Fragen
Wie funktioniert ein Stuhlauffangbeutel?
Der Beutel sitzt mit einer Hautschutzplatte und mikroporöser Klebefläche am Körper. Der Stuhl läuft in eine geruchs- und flüssigkeitsdichte Folie. Über ein wiederverschließbares Ausstreifventil lässt sich der Beutel entleeren; ein Thermometer und Gasventil lassen Darmgase entweichen. Das beschreibt das Hilfsmittelverzeichnis für die Produktart 15.25.10.0.
Welche Hilfsmittel helfen bei Stuhlinkontinenz?
Das Verzeichnis führt aufsaugende Vorlagen und Hosen, Analtampons und Stuhlauffangbeutel. Welche Art passt, entscheidet die Indikation: Den Stuhlauffangbeutel sieht es vor, wenn aufsaugende Produkte nicht möglich oder nicht ausreichend zweckmäßig sind. Eine Kombination mit aufsaugenden Produkten kann nötig sein.
Welche Vor- und Nachteile haben Fäkalkollektoren?
Vorteil laut Verzeichnis: Der Beutel leitet dünnflüssigen bis breiigen Stuhl ab und lässt sich über das Ausstreifventil entleeren. Grenze: Er ist erst vorgesehen, wenn aufsaugende Produkte nicht ausreichen. Die Klebefläche liegt auf der Haut, deshalb sollten Hautreizungen ärztlich oder pflegerisch geklärt werden. Weitere Vor- und Nachteile hängen vom Produkt ab und stehen in der Gebrauchsanweisung.
Sind Analtampons bei Stuhlinkontinenz geeignet?
Das Verzeichnis führt Analtampons unter 15.25.17. Sie verschließen den Enddarm vorübergehend; nach dem Entfernen kann der Stuhlgang erfolgen. Ob ein Analtampon oder ein Stuhlauffangbeutel besser passt, klären Sie mit Ihrer Ärztin oder Ihrem Arzt, denn beide sind eigene Positionen mit eigener Indikation.
Zahlt die Krankenkasse Stuhlauffangbeutel?
Ja, wenn der Beutel im Einzelfall erforderlich ist und aufsaugende Produkte nicht möglich oder nicht ausreichend zweckmäßig sind. Zuständig ist die Krankenkasse nach § 33 SGB V. Sie zahlen ab 18 Jahren 10 Prozent des von der Kasse zu übernehmenden Betrags, höchstens 15 Euro für den gesamten Monatsbedarf.
Gehört der Stuhlauffangbeutel zur Pflegebox mit 42 Euro?
Nein. Die 42 Euro gelten für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch der Pflegekasse. Der Stuhlauffangbeutel ist ein Hilfsmittel der Krankenkasse und steht nicht in der Liste der doppelfunktionalen Hilfsmittel. Ein Pflegegrad ist keine Voraussetzung.
Verbindliche Stelle
- Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands
- § 33 SGB V (Hilfsmittel)
- § 139 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis)
- § 40 Abs. 2 SGB XI
- § 61 SGB V (Zuzahlungen)
- § 62 SGB V (Belastungsgrenze)
- GKV-Spitzenverband: Richtlinien zur Festlegung der doppelfunktionalen Hilfsmittel (RidoHiMi), Fassung vom 24.06.2020, PDF (abgerufen 09.10.2026)
- GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktgruppe 15 Inkontinenzhilfen (abgerufen 09.10.2026)
- GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 15.25.10.0 Stuhlauffangbeutel mit Klebefläche (abgerufen 09.10.2026)
- Inkontinenzhilfen (Produktgruppe 15)
- Analtampons (15.25.17)
- Aufsaugende Inkontinenzvorlagen (15.25.30)
- Aufsaugende Inkontinenzhosen (15.25.31)
- Externe Urinableiter (15.25.04)
- Bettschutzeinlagen (19.40.05)
- Inkontinenz: Begriff im Glossar
- Zuzahlungsbefreiung im Glossar
- Hilfsmittel oder Pflegehilfsmittel: die Abgrenzung
- Antrag abgelehnt: so gehen Sie vor
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Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 09/2026. Betreiber ist die Einfach zum Angebot GmbH, die selbst eine Pflegebox anbietet. Wir ersetzen keine Sozialrechtsberatung.
Fachlich verantwortlich
Julian Weber, Geschäftsführer der Einfach zum Angebot GmbH. Das Unternehmen vermittelt Pflegeboxen und betreibt den verlinkten Shop; daraus kennt er Antrag, Abrechnung mit den Pflegekassen und die Produktauswahl aus der Praxis.
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