Pflegegrad beantragen: der erste Schritt zur Pflegebox

Ohne Pflegegrad kein Anspruch auf Pflegehilfsmittel. Schon Pflegegrad 1 genügt. So läuft der Weg dorthin.

Kurze Antwort

Ohne Pflegegrad kein Anspruch auf Pflegehilfsmittel. Schon Pflegegrad 1 genügt. So läuft der Weg dorthin.

Warum Pflegegrad 1 reicht

Viele Angehörige stellen keinen Antrag, weil sie glauben, es lohne sich erst ab Pflegegrad 2. Bei Pflegegeld und Pflegesachleistung stimmt das, denn die gibt es erst ab Grad 2.

Beim Anspruch auf Pflegehilfsmittel zum Verbrauch ist es anders: Er beginnt bei Pflegegrad 1 und wird mit steigendem Grad nicht größer. Die Obergrenze bleibt bei 42 Euro im Monat.

Damit ist Pflegegrad 1 der Grad, bei dem anteilig am meisten Geld liegen bleibt, wenn niemand den Antrag stellt.

Der Antrag bei der Pflegekasse

Der Antrag geht an die Pflegekasse, die bei der eigenen Krankenkasse angesiedelt ist. Er kann telefonisch, schriftlich oder online gestellt werden und ist formlos möglich.

Wichtig ist das Datum: Die Leistungen beginnen in der Regel mit dem Monat der Antragstellung, nicht mit dem Tag der Begutachtung.

Danach beauftragt die Kasse die Begutachtung. Bei gesetzlich Versicherten übernimmt das der Medizinische Dienst, bei privat Versicherten Medicproof.

Die Begutachtung

Begutachtet wird die Selbständigkeit in sechs Modulen: Mobilität, kognitive und kommunikative Fähigkeiten, Verhaltensweisen und psychische Problemlagen, Selbstversorgung, Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen sowie Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte.

Aus den gewichteten Punkten entstehen Gesamtpunkte. § 15 SGB XI ordnet sie zu: ab 12,5 Punkten Pflegegrad 1, ab 27 Grad 2, ab 47,5 Grad 3, ab 70 Grad 4, ab 90 Grad 5.

Bewertet wird nicht die Diagnose, sondern was jemand noch selbst kann. Deshalb hilft es, vor dem Termin ein paar Tage lang mitzuschreiben, wobei tatsächlich Hilfe nötig war.

Wenn der Bescheid nicht passt

Gegen den Bescheid ist der Widerspruch möglich, in der Regel innerhalb eines Monats nach Zugang. Die genaue Frist steht in der Rechtsbehelfsbelehrung.

Vorher lohnt es sich, das Pflegegutachten bei der Kasse anzufordern. Darin steht, wie die Punkte in den einzelnen Modulen vergeben wurden.

Ein begründeter Widerspruch, der auf konkrete Module eingeht, hat mehr Substanz als ein pauschaler Einspruch.

Einordnung und Abgrenzung

Die Zuordnung folgt keiner Preislogik. Ein günstiges Produkt kann über die Krankenkasse laufen und ein teures über die Pflegekasse. Entscheidend ist der Zweck: Dient der Gegenstand der Krankenbehandlung oder dem Behinderungsausgleich, greift das Fünfte Buch. Erleichtert er die Pflege oder wird er dabei verbraucht, greift das Elfte.

Nicht erfasst ist außerdem alles, was der Person dauerhaft verbleibt und nicht verbraucht wird. Eine waschbare Schutzschürze ist hier ein Grenzfall, der im Verzeichnis geklärt ist. Bei anderen Produkten gilt: Was nach Gebrauch noch da ist, gehört in der Regel nicht in die monatliche Zusammenstellung.

Wer Angehörige mit Demenz pflegt, hat einen anderen Verbrauch als jemand, der nach einer Operation unterstützt. Im ersten Fall fällt mehr Schutzausrüstung und Bettschutz an, im zweiten eher Desinfektion. Eine Standardbox trifft beide Situationen nur zufällig, eine eigene Zusammenstellung trifft sie fast immer besser.

Auffällig ist, wie unterschiedlich über dasselbe Vorhaben berichtet wird. Die einen sprechen von Streichung, die anderen von Bündelung. Beides beschreibt denselben Entwurfsstand aus verschiedenen Blickwinkeln. Wer sich eine eigene Meinung bilden will, liest am besten den Entwurfstext statt der Zusammenfassungen.

Eine Quittung über null Euro ist kein Fehler. Bei der Direktabrechnung erhalten Versicherte oft einen Lieferschein ohne Rechnungsbetrag, weil die Kasse zahlt. Dieses Dokument sollte trotzdem aufbewahrt werden, weil daraus hervorgeht, was in welchem Monat geliefert wurde.

Eine Besonderheit betrifft Ehepaare, bei denen beide einen Pflegegrad haben. Hier sind zwei getrennte Anträge nötig, weil der Anspruch personenbezogen ist. Ein gemeinsamer Antrag führt regelmäßig dazu, dass nur eine Person erfasst wird und die zweite den Anspruch über Monate nicht erhält.

Wer mehrere Themen gleichzeitig klären will, sollte sie trotzdem einzeln ansprechen. Pflegegrad, Verbrauchsmaterial, Entlastungsbetrag und technische Hilfsmittel folgen unterschiedlichen Regeln und werden von unterschiedlichen Stellen bearbeitet. Ein Gespräch, in dem alles gleichzeitig auf den Tisch kommt, endet häufig damit, dass ein Punkt geklärt wird und die anderen untergehen.

Bevor du loslegst

Wer einen ambulanten Pflegedienst hat, sollte die Zusammenstellung mit ihm abstimmen. Der Dienst weiß am besten, was tatsächlich weggeht.

Pflegebox zusammenstellen

Produkte auswählen, Daten eintragen, einmal unterschreiben. Solange die Zusammenstellung 42 Euro im Monat nicht überschreitet, zahlst du nichts.

Pflegebox zusammenstellen

Abgerechnet wird direkt mit der Pflegekasse, bis 42 Euro im Monat. Eine Zusage zur Bewilligung können wir nicht geben.

Häufige Fragen

Kostet die Begutachtung etwas?
Nein.
Kann ich den Antrag für einen Angehörigen stellen?
Ja, mit Vollmacht oder als gesetzliche Betreuung.
Gilt der Pflegegrad rückwirkend?
Leistungen beginnen in der Regel mit dem Monat der Antragstellung.

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Die Angaben wurden redaktionell zusammengestellt (Stand 09/2026) und ersetzen keine verbindliche Auskunft der Pflegekasse. Eine Bewilligung wird nicht zugesagt.