Zum Inhalt springen

Pflegegrad: Voraussetzungen, Punkte und Einstufung nach § 15 SGB XI

Einen Pflegegrad erhält, wer wegen gesundheitlicher Beeinträchtigungen voraussichtlich mindestens sechs Monate Hilfe braucht und in der Begutachtung mindestens 12,5 von 100 Punkten erreicht. Bewertet werden sechs Module nach § 15 SGB XI. Zusätzlich gilt eine Vorversicherungszeit von zwei Jahren.

  • Quellen geprüft:
  • Aktualisiert am
  • Redaktion Pflegebox Fachwelt · Fachlich verantwortlich: Julian Weber
  • 15 Min. Lesezeit

Transparenz: Unsere Betreiberin bietet selbst eine Pflegebox an. Was das für diese Seite bedeutet

Das Wichtigste in Kürze

  • Ein Pflegegrad setzt nach § 14 SGB XI gesundheitlich bedingte Beeinträchtigungen der Selbständigkeit voraus, die voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen.
  • Die Einstufung beginnt bei 12,5 Gesamtpunkten (Pflegegrad 1) und endet bei 90 bis 100 Punkten (Pflegegrad 5), § 15 Abs. 3 SGB XI.
  • Die Selbstversorgung zählt mit 40 Prozent am stärksten; die Module 2 und 3 teilen sich 15 Prozent, gewertet wird nur der höhere Wert.
  • Leistungen gibt es nur, wenn in den letzten zehn Jahren mindestens zwei Jahre Versicherungszeit vorliegen, § 33 Abs. 2 SGB XI.
  • Ende 2025 hatten in der sozialen Pflegeversicherung 6.011.267 Menschen einen Pflegegrad, rund 40 Prozent davon Pflegegrad 2 (BMG, Stichtag 31.12.2025).
Inhalt dieser Seite16 Abschnitte
  1. Was ist ein Pflegegrad?
  2. Welche Voraussetzungen gelten für einen Pflegegrad?
  3. Welche sechs Module bewertet die Begutachtung?
  4. Wie viele Punkte braucht man für welchen Pflegegrad?
  5. Wie entstehen die Gesamtpunkte? Punktetabelle und Rechenbeispiel
  6. Warum zählen die Module 2 und 3 nur einmal?
  7. Wann gibt es Pflegegrad 5 unter 90 Punkten?
  8. Wie werden Kinder eingestuft?
  9. Spielt die Erkrankung eine Rolle, etwa bei Krebs, Demenz oder ADHS?
  10. Wie verteilen sich die Pflegegrade in Deutschland?
  11. Was ändert sich mit jedem Pflegegrad?
  12. Welche Leistungen gibt es schon ab Pflegegrad 1?
  13. Was wurde aus den Pflegestufen?
  14. Wie geht es nach der Einstufung weiter?
  15. Häufige Fragen
  16. Weiterlesen

Was ist ein Pflegegrad?

Ein Pflegegrad ist die gesetzliche Einstufung der Pflegebedürftigkeit in fünf Stufen. Er misst nach § 14 SGB XI, wie selbständig eine Person ihren Alltag bewältigt. Nicht die Diagnose entscheidet, sondern der Grad der verbliebenen Selbständigkeit.

Die fünf Grade tragen gesetzliche Bezeichnungen: geringe, erhebliche, schwere und schwerste Beeinträchtigungen der Selbständigkeit oder der Fähigkeiten. Pflegegrad 5 bedeutet schwerste Beeinträchtigungen mit besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung.

Der Pflegegrad ist die Voraussetzung für fast alle Leistungen der Pflegeversicherung. Ohne ihn besteht kein Anspruch auf Pflegegeld, Pflegesachleistung, Entlastungsbetrag oder Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.

Über den Pflegegrad entscheidet die Pflegekasse per schriftlichem Bescheid. Grundlage ist ein Gutachten des Medizinischen Dienstes oder einer von der Kasse beauftragten Gutachterin. Bei privat Versicherten beauftragt das Versicherungsunternehmen die Begutachtung.

Welche Voraussetzungen gelten für einen Pflegegrad?

Für einen Pflegegrad müssen drei Voraussetzungen zusammen erfüllt sein. Wir nennen das die Pflegegrad-Formel: Dauer, Schwere und Versicherung. Fehlt eine davon, lehnt die Pflegekasse den Antrag ab, auch wenn im Alltag bereits geholfen wird.

Erstens die Dauer. Die Pflegebedürftigkeit muss nach § 14 Abs. 1 SGB XI auf Dauer bestehen, voraussichtlich für mindestens sechs Monate. Sie muss nicht schon sechs Monate bestanden haben. Es genügt, dass sie voraussichtlich so lange anhält.

Zweitens die Schwere. Die Begutachtung muss mindestens 12,5 Gesamtpunkte ergeben. Darunter liegt keine Pflegebedürftigkeit im Sinne des Gesetzes vor.

Drittens die Versicherung. Nach § 33 Abs. 2 SGB XI muss die Person in den letzten zehn Jahren vor der Antragstellung mindestens zwei Jahre versichert gewesen sein, als Mitglied oder familienversichert. Für versicherte Kinder gilt die Zeit als erfüllt, wenn ein Elternteil sie erfüllt.

Hinzu kommt der Antrag. Leistungen gibt es nach § 33 Abs. 1 SGB XI nur auf Antrag. Wie der Antrag gestellt wird, steht im Ratgeber Pflegegrad beantragen.

  • Dauer: Hilfebedarf voraussichtlich mindestens sechs Monate (§ 14 Abs. 1 SGB XI).
  • Schwere: mindestens 12,5 Gesamtpunkte in der Begutachtung (§ 15 Abs. 3 SGB XI).
  • Versicherung: mindestens zwei Jahre Versicherungszeit in den letzten zehn Jahren (§ 33 Abs. 2 SGB XI).
  • Antrag bei der Pflegekasse: Leistungen gibt es erst ab dem Antragsmonat (§ 33 Abs. 1 SGB XI).

Welche sechs Module bewertet die Begutachtung?

Das Begutachtungsinstrument nach § 15 Abs. 2 SGB XI besteht aus sechs Modulen. Jedes Modul deckt einen Lebensbereich ab und geht mit einem festen Prozentsatz in das Ergebnis ein. Die Kriterien je Modul stehen abschließend in § 14 Abs. 2 SGB XI.

Modul 1 Mobilität umfasst fünf Kriterien: Positionswechsel im Bett, Halten einer stabilen Sitzposition, Umsetzen, Fortbewegen innerhalb des Wohnbereichs und Treppensteigen.

Modul 2 kognitive und kommunikative Fähigkeiten umfasst elf Kriterien, darunter Erkennen von Personen, örtliche und zeitliche Orientierung, Treffen von Entscheidungen im Alltag, Erkennen von Risiken und Beteiligen an einem Gespräch.

Modul 3 Verhaltensweisen und psychische Problemlagen umfasst dreizehn Kriterien, etwa nächtliche Unruhe, selbstschädigendes Verhalten, verbale Aggression, Abwehr pflegerischer Maßnahmen, Wahnvorstellungen, Ängste und Antriebslosigkeit bei depressiver Stimmungslage.

Modul 4 Selbstversorgung umfasst unter anderem Waschen, Duschen, An- und Auskleiden, Essen, Trinken, die Benutzung der Toilette und die Bewältigung der Folgen einer Inkontinenz. Bei Kindern bis 18 Monate zählen zusätzlich gravierende Probleme bei der Nahrungsaufnahme.

Modul 5 bewertet den Umgang mit krankheits- und therapiebedingten Anforderungen. Dazu gehören Medikation, Injektionen, Verbandswechsel, Arztbesuche und das Einhalten einer Diät. Modul 6 erfasst die Gestaltung des Alltagslebens und sozialer Kontakte, darunter Tagesablauf, Ruhen und Schlafen sowie Kontaktpflege.

Die sechs Module nach § 14 Abs. 2 und § 15 Abs. 2 SGB XI
ModulGewichtBeispiele für Kriterien
1 Mobilität10 %Umsetzen, Fortbewegen in der Wohnung, Treppensteigen
2 Kognitive und kommunikative Fähigkeiten15 % gemeinsam mit Modul 3Orientierung, Erinnern, Entscheidungen im Alltag
3 Verhaltensweisen und psychische Problemlagen15 % gemeinsam mit Modul 2nächtliche Unruhe, Ängste, Abwehr von Hilfe
4 Selbstversorgung40 %Waschen, Ankleiden, Essen, Toilette
5 Umgang mit Krankheit und Therapie20 %Medikamente, Verbände, Arztbesuche
6 Alltagsleben und soziale Kontakte15 %Tagesablauf, Schlafen, Kontaktpflege

Quelle: § 14 Abs. 2, § 15 Abs. 2 SGB XI, geprüft am 09.10.2026

Punkteskala von 0 bis 100 mit den Schwellen 12,5, 27, 47,5, 70 und 90 für die Pflegegrade 1 bis 5 und der Gewichtung der sechs Module
Inhalt der Grafik als Text

Die Gesamtpunkte reichen von 0 bis 100. Unter 12,5 Punkten besteht kein Pflegegrad. Pflegegrad 1 gilt ab 12,5, Pflegegrad 2 ab 27, Pflegegrad 3 ab 47,5, Pflegegrad 4 ab 70 und Pflegegrad 5 ab 90 Punkten. Die Gewichtung der Module: Mobilität 10 Prozent, kognitive Fähigkeiten und Verhalten zusammen 15 Prozent, Selbstversorgung 40 Prozent, Umgang mit Krankheit und Therapie 20 Prozent, Alltagsleben und soziale Kontakte 15 Prozent.

Wie viele Punkte braucht man für welchen Pflegegrad?

Die gewichteten Punkte aller Module ergeben die Gesamtpunkte von 0 bis 100. Pflegegrad 1 beginnt bei 12,5 Punkten, Pflegegrad 2 bei 27, Pflegegrad 3 bei 47,5, Pflegegrad 4 bei 70 und Pflegegrad 5 bei 90 Punkten.

Die Abstände zwischen den Schwellen sind ungleich. Pflegegrad 1 umfasst 14,5 Punkte, Pflegegrad 2 umfasst 20,5 Punkte, Pflegegrad 3 umfasst 22,5 Punkte und Pflegegrad 4 umfasst 20 Punkte. Für Pflegegrad 5 bleiben die obersten 10 Punkte der Skala.

Wer knapp unter einer Schwelle liegt, erhält den niedrigeren Grad. Ein einziger zusätzlicher Punktbereich in einem stark gewichteten Modul kann deshalb einen ganzen Grad verschieben.

Gesamtpunkte und Pflegegrad nach § 15 Abs. 3 SGB XI
GesamtpunktePflegegradGesetzliche Bezeichnung
unter 12,5kein Pflegegradkeine Pflegebedürftigkeit im Sinne des SGB XI
12,5 bis unter 27Pflegegrad 1geringe Beeinträchtigungen der Selbständigkeit
27 bis unter 47,5Pflegegrad 2erhebliche Beeinträchtigungen
47,5 bis unter 70Pflegegrad 3schwere Beeinträchtigungen
70 bis unter 90Pflegegrad 4schwerste Beeinträchtigungen
90 bis 100Pflegegrad 5schwerste Beeinträchtigungen mit besonderen Anforderungen an die Versorgung

Quelle: § 15 Abs. 3 SGB XI, geprüft am 09.10.2026

Wie entstehen die Gesamtpunkte? Punktetabelle und Rechenbeispiel

Der Gutachter vergibt je Kriterium Einzelpunkte und addiert sie je Modul. Die Summe fällt in einen von fünf Punktbereichen, von keine bis schwerste Beeinträchtigungen. Erst diesem Punktbereich ordnet Anlage 2 zum SGB XI feste gewichtete Punkte zu.

Die gewichteten Punkte sind deshalb gestuft. Im Modul Selbstversorgung bringt jeder Punktbereich 10 gewichtete Punkte, in der Mobilität nur 2,5. Die Höchstwerte aller Module ergeben zusammen genau 100.

Ein konstruiertes Rechenbeispiel zeigt die Wirkung. Angenommen werden erhebliche Beeinträchtigungen in Mobilität, Selbstversorgung und Alltagsgestaltung sowie geringe in Modul 2 und Modul 5. Das ergibt 5 + 3,75 + 20 + 5 + 7,5 = 41,25 Gesamtpunkte und damit Pflegegrad 2.

Steigt im selben Beispiel nur die Selbstversorgung auf schwere Beeinträchtigungen, kommen 10 Punkte hinzu. Mit 51,25 Gesamtpunkten ergibt sich Pflegegrad 3. Wie die Einzelpunkte je Kriterium entstehen, erklärt der Ratgeber Pflegegrad berechnen.

Gewichtete Punkte je Punktbereich nach Anlage 2 zum SGB XI
Modulkeinegeringeerheblicheschwereschwerste
1 Mobilität02,557,510
2 oder 3 (höherer Wert)03,757,511,2515
4 Selbstversorgung010203040
5 Krankheit und Therapie05101520
6 Alltag und Kontakte03,757,511,2515

Quelle: Anlage 2 zu § 15 SGB XI, geprüft am 09.10.2026. Spalten = Schweregrad der Beeinträchtigung im Modul.

Warum zählen die Module 2 und 3 nur einmal?

§ 15 Abs. 3 Satz 2 SGB XI ordnet den Modulen 2 und 3 einen gemeinsamen gewichteten Punkt zu. Gewertet wird nur der höhere der beiden Werte, nicht die Summe. Beide Module teilen sich die 15 Prozent.

Wer beide Module addiert, rechnet sich einen zu hohen Pflegegrad aus. Diese Abweichung erklärt viele enttäuschte Erwartungen beim Bescheid.

Fachlich steht dahinter, dass kognitive Einschränkungen und auffälliges Verhalten oft gemeinsam auftreten. Eine getrennte Wertung würde dieselbe Beeinträchtigung zweimal zählen.

Für eine Demenz heißt das: Sie erhöht die Punkte vor allem über Modul 2. Zusätzliche Verhaltensauffälligkeiten aus Modul 3 erhöhen das Ergebnis nur, wenn Modul 3 den höheren Wert liefert. Kognitive Einschränkungen wirken aber auch in Modul 6 und oft in Modul 4.

Wann gibt es Pflegegrad 5 unter 90 Punkten?

Nach § 15 Abs. 4 SGB XI kann Pflegegrad 5 auch unter 90 Gesamtpunkten vergeben werden. Voraussetzung ist eine besondere Bedarfskonstellation mit einem spezifischen, außergewöhnlich hohen Hilfebedarf und besonderen Anforderungen an die pflegerische Versorgung.

Welche Konstellationen das sind, legt der Medizinische Dienst Bund in den Begutachtungsrichtlinien nach § 17 SGB XI fest. Die Zuordnung erfolgt aus pflegefachlichen Gründen im Gutachten. Ein eigener Antrag ist dafür nicht vorgesehen.

Wie werden Kinder eingestuft?

Bei Kindern vergleicht der Gutachter die Selbständigkeit mit altersentsprechend entwickelten Kindern, § 15 Abs. 6 SGB XI. Bewertet wird also nur der Hilfebedarf, der über das Altersübliche hinausgeht.

Kinder bis 18 Monate werden nach § 15 Abs. 7 SGB XI einen Grad höher eingestuft. Schon ab 12,5 Gesamtpunkten gilt bei ihnen Pflegegrad 2, ab 70 Punkten Pflegegrad 5.

Die Begutachtung von Kindern übernehmen nach § 18a Abs. 10 SGB XI in der Regel besonders geschulte Gutachter mit pflegefachlicher oder kinderärztlicher Qualifikation. Eine Begutachtung per strukturiertem Telefoninterview ist bei Kindern ausgeschlossen, § 142a SGB XI.

Spielt die Erkrankung eine Rolle, etwa bei Krebs, Demenz oder ADHS?

Die Erkrankung entscheidet nicht über den Pflegegrad. Sie ist nur der Grund für die Beeinträchtigungen, die das Gutachten misst. Das gilt für körperliche, kognitive und psychische Erkrankungen gleichermaßen.

Bei einer Krebserkrankung ist der Antrag sinnvoll, sobald absehbar ist, dass die Selbständigkeit für mindestens sechs Monate eingeschränkt bleibt. Bei ambulanter Palliativversorgung oder im Hospiz kann die verkürzte Begutachtungsfrist bis zum fünften Arbeitstag nach Antragseingang gelten, § 18a Abs. 5 SGB XI. Darauf im Antrag ausdrücklich hinweisen.

Bei ADHS oder anderen psychischen Erkrankungen zählen vor allem die Module 2, 3 und 6, etwa Steuern von Alltagshandlungen, Erkennen von Gefahren oder Gestaltung des Tagesablaufs. Bei Kindern zählt nur der Hilfebedarf, der über das Altersübliche hinausgeht. Ein Pflegegrad ist möglich, wenn die Beeinträchtigungen zusammen mindestens 12,5 Punkte ergeben.

Bei Demenz steigen die Punkte meist zuerst in Modul 2. Mit fortschreitender Erkrankung kommen Selbstversorgung und Alltagsgestaltung hinzu. Typische Verläufe zeigt der Ratgeber Pflegegrad-Fallbeispiele.

Wie verteilen sich die Pflegegrade in Deutschland?

Zum 31.12.2025 hatten in der sozialen Pflegeversicherung 6.011.267 Menschen einen Pflegegrad. Das zeigt die Statistik des Bundesgesundheitsministeriums. Privat Versicherte sind darin nicht enthalten.

Pflegegrad 2 ist mit 2.407.979 Menschen der häufigste Grad, das sind rund 40 Prozent. Pflegegrad 5 haben 232.084 Menschen, knapp 4 Prozent. Rund 86 Prozent aller Leistungsbeziehenden werden ambulant versorgt, also überwiegend zu Hause.

Für Angehörige ist die Verteilung eine Orientierung, keine Prognose. Welcher Grad im Einzelfall herauskommt, ergibt allein die Begutachtung.

Leistungsbeziehende der sozialen Pflegeversicherung am 31.12.2025
PflegegradPersonenAnteildavon ambulant
Pflegegrad 1952.21315,8 %949.760
Pflegegrad 22.407.97940,1 %2.255.424
Pflegegrad 31.758.18229,2 %1.439.957
Pflegegrad 4660.80911,0 %400.654
Pflegegrad 5232.0843,9 %115.572
zusammen6.011.267100 %5.161.367

Quelle: BMG, Leistungsempfänger nach Altersgruppen und Pflegegraden am 31.12.2025; Anteile eigene Berechnung, gerundet.

Was ändert sich mit jedem Pflegegrad?

Mit steigendem Pflegegrad wachsen die Geld- und Sachleistungen. Pflegegeld gibt es ab Pflegegrad 2 mit 347 Euro bis 990 Euro bei Pflegegrad 5, § 37 SGB XI. Die Pflegesachleistung für einen Pflegedienst reicht von 796 Euro bis 2.299 Euro, § 36 SGB XI.

Das Pflegegeld wird an die pflegebedürftige Person überwiesen. Nach Angaben des Bundesgesundheitsministeriums kann sie über die Verwendung frei verfügen. Voraussetzung ist, dass die Pflege zu Hause selbst sichergestellt ist, zum Beispiel durch Angehörige.

Gleich hoch für alle Grade sind der Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro monatlich, § 45b SGB XI, die Pauschale für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch von bis zu 42 Euro monatlich, § 40 Abs. 2 SGB XI, und der Zuschuss für das Wohnumfeld von bis zu 4.180 Euro je Maßnahme, § 40 Abs. 4 SGB XI.

Alle Beträge je Grad stehen auf den Seiten Pflegegrade 1 bis 5. Ob die 42 Euro für Pflegehilfsmittel schon genutzt werden, prüft der Pflegebox-Check.

Monatliche Leistungen je Pflegegrad 2026 (häusliche Pflege)
LeistungPG 1PG 2PG 3PG 4PG 5
Pflegegeld (§ 37)–347 €599 €800 €990 €
Pflegesachleistung (§ 36)–796 €1.497 €1.859 €2.299 €
Tages- und Nachtpflege (§ 41)–721 €1.357 €1.685 €2.085 €
Entlastungsbetrag (§ 45b)131 €131 €131 €131 €131 €
Pflegehilfsmittel zum Verbrauch (§ 40 Abs. 2)42 €42 €42 €42 €42 €
Verhinderungs- und Kurzzeitpflege (§ 42a), je Kalenderjahr–3.539 €3.539 €3.539 €3.539 €

Quelle: §§ 36, 37, 40, 41, 42a, 45b SGB XI, Wortlaut geprüft am 09.10.2026. Beträge sind Höchstbeträge.

Welche Leistungen gibt es schon ab Pflegegrad 1?

Bei Pflegegrad 1 gibt es kein Pflegegeld und keine Pflegesachleistung. § 28a SGB XI zählt trotzdem eine Reihe von Leistungen auf. Die wichtigsten mit Geldwert sind der Entlastungsbetrag von bis zu 131 Euro monatlich, die Pauschale für Pflegehilfsmittel zum Verbrauch von bis zu 42 Euro monatlich und der Wohnumfeld-Zuschuss von bis zu 4.180 Euro je Maßnahme.

Dazu kommen Pflegeberatung nach §§ 7a und 7b SGB XI, halbjährlich eine Beratung in der eigenen Häuslichkeit, Pflegekurse für Angehörige und Hilfen bei digitalen Pflegeanwendungen.

Die Pauschale für Verbrauchsmaterial ist bei Pflegegrad 1 genauso hoch wie bei Pflegegrad 5. Sie verfällt in jedem Monat, in dem sie nicht genutzt wird. Details stehen auf der Seite Pflegegrad 1.

Diese Leistungen setzen jeweils einen eigenen Antrag voraus. Der Pflegegrad-Bescheid allein löst sie nicht aus. Eine Ausnahme: Empfiehlt das Gutachten konkrete Pflegehilfsmittel, gilt die Empfehlung mit Zustimmung der versicherten Person bereits als Antrag, § 18b Abs. 3 SGB XI.

Was wurde aus den Pflegestufen?

Bis Ende 2016 gab es drei Pflegestufen, die den Zeitaufwand in Minuten maßen. Seit dem 1. Januar 2017 gelten die fünf Pflegegrade. Wer damals eine Pflegestufe hatte, wurde nach § 140 SGB XI ohne neue Begutachtung übergeleitet.

Die Überleitung folgte einer festen Regel: Ohne eingeschränkte Alltagskompetenz stieg die Stufe um einen Grad, mit eingeschränkter Alltagskompetenz um zwei Grade. Begriffe wie „Pflegestufe beantragen“ meinen heute den Antrag auf einen Pflegegrad.

Überleitung nach § 140 Abs. 2 SGB XI zum 01.01.2017
Bis 2016ohne eingeschränkte Alltagskompetenzmit eingeschränkter Alltagskompetenz
keine Pflegestufe–Pflegegrad 2
Pflegestufe IPflegegrad 2Pflegegrad 3
Pflegestufe IIPflegegrad 3Pflegegrad 4
Pflegestufe IIIPflegegrad 4 (Härtefall: Pflegegrad 5)Pflegegrad 5

Quelle: § 140 Abs. 2 SGB XI, geprüft am 09.10.2026

Wie geht es nach der Einstufung weiter?

Der Bescheid nennt den Pflegegrad und kommt zusammen mit dem Gutachten, sofern die versicherte Person der Übersendung nicht widerspricht, § 18c Abs. 2 SGB XI. Das Gutachten zeigt, in welchem Modul wie viele Punkte vergeben wurden.

Die Pflegekasse kann den Pflegegrad befristen, wenn eine Verbesserung zu erwarten ist. Die Befristung darf insgesamt drei Jahre nicht überschreiten, § 33 Abs. 1 SGB XI.

Passt die Bewertung nicht zum Alltag, ist der Widerspruch gegen den Pflegegrad innerhalb eines Monats nach Bekanntgabe möglich, § 84 SGG. Verschlechtert sich der Zustand später, ist die Höherstufung des Pflegegrads der richtige Weg.

  1. Bescheid und Gutachten auf die Punkte je Modul prüfen.
  2. Leistungen einzeln beantragen, etwa Pflegegeld, Entlastungsbetrag und Pflegehilfsmittel zum Verbrauch.
  3. Bei falscher Bewertung innerhalb eines Monats Widerspruch einlegen.
  4. Bei späterer Verschlechterung einen Antrag auf Höherstufung stellen.

Anspruch prüfen

In unter einer Minute klären, ob und in welcher Höhe ein Anspruch besteht.

Zum Pflegebox-Check

Häufige Fragen

Wann steht einem ein Pflegegrad zu?

Wenn gesundheitliche Beeinträchtigungen voraussichtlich mindestens sechs Monate Hilfe nötig machen, die Begutachtung mindestens 12,5 Gesamtpunkte ergibt und in den letzten zehn Jahren mindestens zwei Jahre Versicherungszeit vorliegen. Dazu kommt ein Antrag bei der Pflegekasse.

Wie viele Pflegegrade gibt es?

Fünf. Pflegegrad 1 beginnt bei 12,5 Gesamtpunkten, Pflegegrad 5 bei 90 Punkten, § 15 Abs. 3 SGB XI.

Wann bekommt man einen Pflegegrad bei ADHS?

Die Diagnose allein reicht nicht. Entscheidend ist, ob die Beeinträchtigungen in den sechs Modulen zusammen mindestens 12,5 Gesamtpunkte ergeben und voraussichtlich mindestens sechs Monate bestehen. Bei Kindern zählt nur der Hilfebedarf, der über das Altersübliche hinausgeht.

Wann sollte man bei einer Krebserkrankung einen Pflegegrad beantragen?

Sobald absehbar ist, dass die Selbständigkeit für mindestens sechs Monate eingeschränkt bleibt. Bei Palliativversorgung oder im Hospiz kann eine verkürzte Begutachtungsfrist bis zum fünften Arbeitstag nach Antragseingang gelten, § 18a Abs. 5 SGB XI.

Kann ich mit meinem Pflegegeld machen, was ich will?

Das Pflegegeld wird an die pflegebedürftige Person überwiesen, die laut Bundesgesundheitsministerium frei über die Verwendung verfügen kann. Voraussetzung bleibt, dass die Pflege zu Hause selbst sichergestellt ist.

Wer bekommt die 125 Euro bei Pflegegrad 1?

Der Betrag ist veraltet. Der Entlastungsbetrag beträgt nach geltendem Recht bis zu 131 Euro monatlich und steht allen Pflegebedürftigen in häuslicher Pflege ab Pflegegrad 1 zu, § 45b SGB XI.

Zählt eine Demenz automatisch zu einem hohen Pflegegrad?

Nein. Eine Demenz erhöht vor allem die Punkte in Modul 2, das sich mit Modul 3 die Gewichtung von 15 Prozent teilt. Den Ausschlag gibt die Selbständigkeit in allen sechs Modulen.

Wie lange dauert es vom Antrag bis zum Bescheid?

Die Pflegekasse muss spätestens 25 Arbeitstage nach Antragseingang schriftlich entscheiden, § 18c Abs. 1 SGB XI. Überschreitet sie die Frist und hat sie die Verzögerung zu vertreten, zahlt sie 70 Euro je begonnene Woche, § 18c Abs. 5 SGB XI.

Kann der Pflegegrad wieder herabgestuft werden?

Ja. Verbessert sich die Selbständigkeit, kann eine neue Begutachtung zu einem niedrigeren Grad führen. Ist eine Verbesserung zu erwarten, kann der Pflegegrad von Anfang an befristet werden, insgesamt höchstens drei Jahre.

Gilt der Pflegegrad bundesweit?

Ja. Die Einstufung nach § 15 SGB XI ist Bundesrecht und gilt unabhängig von Wohnort und Pflegekasse.

Offizielle Quelle

  1. § 14 SGB XI (Begriff der Pflegebedürftigkeit)
  2. § 15 SGB XI (Pflegegrade)
  3. § 33 SGB XI (Leistungsvoraussetzungen)
  4. § 18 SGB XI (Begutachtung)
  5. § 18a SGB XI (Begutachtungsverfahren)
  6. § 18b SGB XI (Inhalt und Übermittlung des Gutachtens)
  7. § 18c SGB XI (Entscheidung über den Antrag, Fristen)
  8. § 142a SGB XI (telefonische Begutachtung)
  9. § 84 SGG (Widerspruchsfrist)
  10. § 140 SGB XI (Überleitung in die Pflegegrade)
  11. § 28a SGB XI (Leistungen bei Pflegegrad 1)
  12. § 36 SGB XI (Pflegesachleistung)
  13. § 37 SGB XI (Pflegegeld)
  14. § 41 SGB XI (Tagespflege und Nachtpflege)
  15. § 42a SGB XI (Gemeinsamer Jahresbetrag)
  16. § 45b SGB XI (Entlastungsbetrag)
  17. § 40 Abs. 2 SGB XI
  18. BMG: Leistungsempfänger der sozialen Pflegeversicherung nach Pflegegraden am 31.12.2025

So arbeiten wir mit Quellen

Weiterlesen

Stand 09/2026. Diese Seite gehört zur Einfach zum Angebot GmbH und ist damit kein neutraler Vergleich. Die Rechtsangaben stammen unverändert aus dem Gesetzestext.

Fachlich verantwortlich

Julian Weber

Julian Weber, Geschäftsführer der Einfach zum Angebot GmbH. Das Unternehmen vermittelt Pflegeboxen und betreibt den verlinkten Shop; daraus kennt er Antrag, Abrechnung mit den Pflegekassen und die Produktauswahl aus der Praxis.

Wirtschaftliches Interesse: Die Einfach zum Angebot GmbH verdient an Pflegeboxen, die über den Shop zustande kommen. Rechtsangaben stammen deshalb ausschließlich aus dem Gesetzestext, Daten aus amtlichen Quellen. Unsere Redaktionsrichtlinien