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Greifhilfen: Produktarten, Kostenträger und Zuzahlung

Greifzange, Türgriffverlängerung oder Universalgriff: Das Hilfsmittelverzeichnis fasst sie unter 02.40.04 zusammen. Hier steht, welche Produktarten es gibt, bei welchen Diagnosen die Krankenkasse zahlt und was Sie zuzahlen.

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  • Aktualisiert am
  • Redaktion Pflegebox Fachwelt · Fachlich verantwortlich: Julian Weber
  • 7 Min. Lesezeit

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02.40.04Ebene 3 · Untergruppe

Position im Hilfsmittelverzeichnis

Bezeichnung
Greifhilfen
Produktgruppe
02 Adaptionshilfen
Kostenträger
Krankenkasse (§ 33 SGB V)
Teil der 42 Euro
nein

Das Wichtigste in Kürze

  • Greifhilfen stehen im Hilfsmittelverzeichnis unter 02.40.04 (Produktgruppe 02 „Adaptionshilfen“) mit sieben besetzten Produktarten, von Universalgriffen bis zu pneumatischen Greifhilfen.
  • Zuständig ist die Krankenkasse (§ 33 SGB V), nicht die Pflegekasse. Greifhilfen gehören nicht zur Pflegebox und werden nicht auf die 42 Euro angerechnet.
  • Voraussetzung ist eine Beeinträchtigung des Greifens, Haltens oder Bedienens durch eine Schädigung der oberen Extremität, etwa bei Gelenk- oder neurologischen Erkrankungen. Das Verzeichnis nennt die Fälle als Beispiele, nicht als abschließende Diagnoseliste.
  • Ab 18 Jahren zahlen Sie 10 Prozent des Abgabepreises dazu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als der Preis (§ 33 Abs. 8, § 61 SGB V). Bei einer einfachen Greifzange ist das meist der Mindestbetrag von 5 Euro.
Inhalt dieser Seite11 Abschnitte
  1. Die sieben Produktarten unter 02.40.04
  2. Wer zahlt für Greifhilfen und bei welcher Diagnose?
  3. Zuzahlung: Was eine Greifhilfe Sie kostet
  4. Antrag in vier Schritten
  5. Abgrenzung zu Nachbarpositionen
  6. Einordnung im Verzeichnis
  7. Produktarten in dieser Position
  8. Was hier nicht dazugehört
  9. Häufige Fragen
  10. Mehr zum Thema
  11. Weiterlesen

Die sieben Produktarten unter 02.40.04

Das Verzeichnis versteht unter Greifhilfen Geräte, die das Greifen, Heranholen und Bedienen von Gegenständen ermöglichen, wenn Hand oder Finger dazu nicht mehr ausreichen. Die Greifzange, im Verzeichnis „Helfende Hand“ genannt, ist nur eine von sieben besetzten Produktarten. Einen Begriff „Müllzange“ führt das Verzeichnis nicht; gemeint ist in der Regel eine Greifzange mit langem Stiel (Produktart 02.40.04.1).

Zu jeder Produktart nennt das Verzeichnis eine Indikation. Sie entscheidet, ob eine Verordnung zu Lasten der Krankenkasse in Betracht kommt. Alle Produktarten tragen den Versorgungsbereich 02A nach den Empfehlungen zu § 126 SGB V.

Produktarten 02.40.04.0 bis .6; 02.40.04.7 „Elektrische Greifhilfen“ ist als geplant und nicht besetzt geführt (GKV-Spitzenverband, abgerufen 09.10.2026)
ProduktartAufbau laut VerzeichnisWofür gedachtBesonderheit
02.40.04.0 UniversalgriffeKunststoffgriff mit Platte aus federnden Stiften, die den Abdruck eines Gegenstands annehmenSchlüssel, Wasserhähne und Heizungsregler mit wenig Fingerkraft bewegenFaustgriff muss noch möglich sein; verformbare, individuell angepasste Griffe laufen über 02.40.04.0999
02.40.04.1 Greifzangen / Helfende HandStab mit Griff, Öffnungsmechanismus und Zange, Länge 40 bis 80 cm, teils faltbarGegenstände aufheben, halten und verschiebenOft mit Handgelenkstütze; Indikation auch bei Beeinträchtigung des Rumpfes
02.40.04.2 Greifhilfen für WasserhahnVerlängerungsgriff mit Halbkugel oder Klemme, meist 15 bis 22 cm, für Armaturen bis etwa 65 mmWasserhahn öffnen und schließenAntirutschbeschichtung
02.40.04.3 TürgriffverlängerungenAufschraub- oder Klemmbügel an der Türklinke, auch mit dem Ellenbogen bedienbarTür mit weniger Kraft öffnen und schließenBleibt an der Türklinke
02.40.04.4 Pneumatische GreifhilfenKompressor, Druckluftspeicher, Steuergerät, Bedienteil und Greifer; Schalter per Hand, Mund oder SpracheTrinkgefäß, Besteck oder Zahnbürste ohne Fremdhilfe benutzenMehrtägige Erprobung nötig; meist am Rollstuhl; nicht für Wiedereinsatz
02.40.04.5 Fenstergriffverlängerungen / FensteröffnerLanger Stiel mit schwenkbarer Hülse für den FenstergriffFenster selbständig öffnen und schließenAusreichende Armfunktion nötig; nicht für Wiedereinsatz
02.40.04.6 Mechanische GreifhilfenGreiffinger mit Spannhebel und Auslöser, optional mit UnterarmbefestigungGegenstände greifen und halten, wenn die Handfunktion weitgehend fehltStrukturierte Handlungsabläufe nötig; nicht für Wiedereinsatz

Wer zahlt für Greifhilfen und bei welcher Diagnose?

Greifhilfen sind Hilfsmittel der gesetzlichen Krankenversicherung nach § 33 SGB V. Die Position 02.40.04 gehört zur Produktgruppe 02 und steht nicht in der Liste der doppelfunktionalen Hilfsmittel (RidoHiMi, Anlage 1 mit den unter anderem die Gruppen 04, 22, 33 und 50). Die Pflegekasse zahlt Greifhilfen deshalb nicht. Der Pflegegrad ist keine Voraussetzung.

Maßgeblich ist die Indikation. Beim Greifen, Aufheben und Bedienen nennt das Verzeichnis die Schädigung der Funktion der oberen Extremität, bei Greifzangen auch des Rumpfes, jeweils zum Beispiel bei Gelenkerkrankungen, neurologischen Erkrankungen, Verletzungsfolgen und Fehlbildungen. Für pneumatische und mechanische Greifhilfen ist die Schwelle höher: weitgehender Verlust der Hand- und Fingerfunktion, etwa nach Schlaganfall, bei Multipler Sklerose, ALS, zervikalen Querschnittsyndromen oder Muskeldystrophien, und bei der pneumatischen Art zusätzlich kontrollierbare Armbewegungen und die Unmöglichkeit, andere Greifhilfen zu nutzen.

Die Gruppe 02 schließt Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens von der Leistungspflicht aus, auch wenn sie behindertengerecht gestaltet sind. Ein Greifer aus dem Baumarkt oder Haushaltswarenhandel ohne Eintrag im Verzeichnis ist deshalb in der Regel Eigenverantwortung. Ob ein bestimmtes Produkt erstattungsfähig ist, prüfen Sie über die zehnstellige Hilfsmittelnummer, die mit 02.40.04 beginnt.

Zuzahlung: Was eine Greifhilfe Sie kostet

Ab 18 Jahren zahlen Sie nach § 33 Abs. 8 und § 61 SGB V 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, aber nie mehr als die Kosten des Mittels. Die 25-Euro-Regel aus § 40 Abs. 3 SGB XI gilt nicht, sie betrifft Pflegehilfsmittel der Pflegekasse. Die Preise im Beispiel sind angenommen, die tatsächlichen legt der Kassenvertrag fest.

Rechenbeispiele mit angenommenen Preisen nach § 61 SGB V; die Bewilligung und Höhe entscheidet die Krankenkasse im Einzelfall
Beispiel (angenommen)Abgabepreis10 ProzentIhre Zuzahlung
Türgriffverlängerung4 Euro0,40 Euro4 Euro (nie mehr als der Preis)
Greifzange 70 cm18 Euro1,80 Euro5 Euro (Mindestbetrag)
Mechanische Greifhilfe95 Euro9,50 Euro9,50 Euro
Pneumatische Greifhilfe3.000 Euro300 Euro10 Euro (Höchstbetrag)
  • Wer die Belastungsgrenze nach § 62 SGB V erreicht hat, zahlt nichts mehr dazu. Siehe Zuzahlungsbefreiung.
  • Bei Produktarten mit dem Vermerk „nicht für den Wiedereinsatz vorgesehen“ (.4 bis .6) lässt sich das Gerät nicht an andere Versicherte weitergeben. Wie die Kasse abgibt, regelt der Kassenvertrag.

Antrag in vier Schritten

Bei Hilfsmitteln der Krankenkasse läuft der Weg über die Verordnung. Die Hilfsmittelnummer der Greifhilfe kann auf dem Rezept stehen, entscheidend ist die ärztliche Begründung.

  1. Beeinträchtigung beschreibenSchildern Sie der Ärztin oder dem Arzt, welche Handgriffe nicht mehr gelingen: Aufheben, Festhalten, Türklinke, Wasserhahn, Fenster. Die Diagnose und die betroffene Funktion gehören auf die Verordnung.
  2. Hilfsmittel verordnen lassenLassen Sie die Produktart verordnen, zum Beispiel „Greifzange 02.40.04.1“. Bei pneumatischen oder mechanischen Greifhilfen ist eine ausführlichere Begründung nötig.
  3. Versorgung klärenFragen Sie bei Ihrer Krankenkasse, welcher Leistungserbringer Sie versorgen darf, und reichen Sie die Verordnung dort ein.
  4. Bescheid prüfenBei Ablehnung steht der Widerspruch offen. Wie Sie vorgehen, steht unter Antrag abgelehnt.

Abgrenzung zu Nachbarpositionen

Greifhilfen werden mit anderen Adaptionshilfen verwechselt. Die Positionen sind getrennt verordnungsfähig.

Einordnung im Verzeichnis

Die Nummer 02.40.04 liest sich von links nach rechts: 02 ist die Produktgruppe, 40 der Anwendungsort, 04 die Untergruppe. Je weiter rechts eine Ziffer steht, desto konkreter wird das Produkt.

Die Produktgruppe lautet 02 Adaptionshilfen. Geführt wird das Verzeichnis vom GKV-Spitzenverband. Seine Aufgabe ist die eindeutige Zuordnung von Produkten, damit alle Beteiligten dasselbe meinen.

Produktarten in dieser Position

Produktarten unter 02.40.04
02.40.04.0Universalgriffe
02.40.04.1Greifzangen/Helfende Hand
02.40.04.2Greifhilfen für Wasserhahn
02.40.04.3Türgriffverlängerungen
02.40.04.4Pneumatische Greifhilfen
02.40.04.5Fenstergriffverlängerungen/ Fensteröffner
02.40.04.6Mechanische Greifhilfen
02.40.04.7(geplante Produktart: Elektrische Greifhilfen)

Was hier nicht dazugehört

Dass beide Bereiche gemeinsam geführt werden, sorgt regelmäßig für Verwechslungen. Die Zuständigkeit ergibt sich nicht aus dem Verzeichnis, sondern aus dem jeweiligen Sozialgesetzbuch.

Gehört das zu meiner Pflegebox?

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Häufige Fragen

Wird eine Greifzange von der Krankenkasse bezahlt?

Ja, wenn sie als Greifzange (02.40.04.1) im Hilfsmittelverzeichnis geführt ist und eine Ärztin oder ein Arzt sie wegen einer Schädigung der oberen Extremität oder des Rumpfes verordnet. Sie zahlen ab 18 Jahren 10 Prozent dazu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als den Preis.

Welche Diagnose braucht man für eine Greifzange?

Das Verzeichnis nennt eine Beeinträchtigung des Aufhebens, Haltens und Verschiebens bei Schädigung der Funktion der oberen Extremität und/oder des Rumpfes, zum Beispiel bei Gelenkerkrankungen, neurologischen Erkrankungen, Verletzungsfolgen oder Fehlbildungen. Eine feste Diagnoseliste gibt es nicht, die Beispiele sind nicht abschließend.

Was ist eine Müllzange?

Der Begriff steht nicht im Hilfsmittelverzeichnis. Gemeint ist meist eine Greifzange mit langem Stiel. Sie steht dort als „Greifzangen/Helfende Hand“ (02.40.04.1), mit 40 bis 80 cm Länge. Ohne Verordnung und Indikation zahlen Sie sie selbst.

Welche Alltagshilfen gibt es für ältere Menschen im Verzeichnis?

Die Gruppe 02 „Adaptionshilfen“ umfasst Anziehhilfen, Ess- und Trinkhilfen, rutschfeste Unterlagen, Greifhilfen, Halter für die Körperhygiene, Schreib- und Lesehilfen. Sie stehen im Verzeichnis nach Zweck, nicht nach Alter; entscheidend ist die Funktionseinschränkung.

Zahlt die Pflegekasse eine Greifhilfe?

Nein. Greifhilfen stehen in der Produktgruppe 02 und nicht in den Pflegehilfsmittelgruppen 50 bis 54. Sie gehören nicht zur Pflegebox und zählen nicht zu den 42 Euro im Monat.

Offizielle Quelle

  1. Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands
  2. § 33 SGB V (Hilfsmittel)
  3. § 139 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis)
  4. § 61 SGB V (Zuzahlungen)
  5. § 62 SGB V (Belastungsgrenze)
  6. GKV-Spitzenverband: Richtlinien zur Festlegung der doppelfunktionalen Hilfsmittel (RidoHiMi), Fassung vom 24.06.2020, Anlage 1, PDF (abgerufen 09.10.2026)
  7. GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktgruppe 02 Adaptionshilfen (abgerufen 09.10.2026)
  8. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.04.0 Universalgriffe (abgerufen 09.10.2026)
  9. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.04.1 Greifzangen/Helfende Hand (abgerufen 09.10.2026)
  10. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.04.2 Greifhilfen für Wasserhahn (abgerufen 09.10.2026)
  11. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.04.3 Türgriffverlängerungen (abgerufen 09.10.2026)
  12. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.04.4 Pneumatische Greifhilfen (abgerufen 09.10.2026)
  13. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.04.5 Fenstergriffverlängerungen (abgerufen 09.10.2026)
  14. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.04.6 Mechanische Greifhilfen (abgerufen 09.10.2026)

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Alle Angaben ohne Gewähr, Stand 09/2026. Betreiber ist die Einfach zum Angebot GmbH, die selbst eine Pflegebox anbietet. Wir ersetzen keine Sozialrechtsberatung.

Fachlich verantwortlich

Julian Weber

Julian Weber, Geschäftsführer der Einfach zum Angebot GmbH. Das Unternehmen vermittelt Pflegeboxen und betreibt den verlinkten Shop; daraus kennt er Antrag, Abrechnung mit den Pflegekassen und die Produktauswahl aus der Praxis.

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