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Schreibhilfen: Produktarten, Kostenträger und Zuzahlung

Schreibgriff, Kopfschreibhilfe oder Führungsschablone für die Tastatur: Das Hilfsmittelverzeichnis fasst sie unter 02.40.06 zusammen. Hier steht, wofür welche Produktart gedacht ist, wer zahlt und wo der Unterschied zur Schreiblernhilfe liegt.

  • Quellen geprüft:
  • Aktualisiert am
  • Redaktion Pflegebox Fachwelt · Fachlich verantwortlich: Julian Weber
  • 6 Min. Lesezeit

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02.40.06Ebene 3 · Untergruppe

Position im Hilfsmittelverzeichnis

Bezeichnung
Schreibhilfen
Produktgruppe
02 Adaptionshilfen
Kostenträger
Krankenkasse (§ 33 SGB V)
Teil der 42 Euro
nein

Das Wichtigste in Kürze

  • Schreibhilfen stehen im Hilfsmittelverzeichnis unter 02.40.06 (Produktgruppe 02 „Adaptionshilfen“). Es gibt sieben Produktarten, vom Schreibgriff bis zur Führungsschablone für Tastaturen.
  • Sie gleichen eine eingeschränkte oder fehlende Funktion von Hand und Fingern aus, etwa bei Gelenk- oder neurologischen Erkrankungen, nach Verletzungen oder bei Fehlbildungen. Zuständig ist die Krankenkasse (§ 33 SGB V), nicht die Pflegekasse.
  • Ab 18 Jahren zahlen Sie 10 Prozent des Preises dazu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als den Preis (§ 61 SGB V). Unter 18 Jahren fällt nach § 33 Abs. 8 SGB V keine Zuzahlung an.
  • Die Schreiblernhilfe aus dem Schreibwarenhandel für Kinder ohne Funktionsstörung ist dagegen in der Regel Eigenverantwortung.
Inhalt dieser Seite11 Abschnitte
  1. Die sieben Produktarten: von der Stiftverdickung bis zur Tastaturschablone
  2. Wer zahlt: Krankenkasse, nicht Pflegekasse
  3. Zuzahlung: Rechenbeispiele
  4. Antrag in vier Schritten
  5. Abgrenzung zu Nachbarpositionen
  6. Einordnung im Verzeichnis
  7. Produktarten in dieser Position
  8. Was hier nicht dazugehört
  9. Häufige Fragen
  10. Mehr zum Thema
  11. Weiterlesen

Die sieben Produktarten: von der Stiftverdickung bis zur Tastaturschablone

Das Verzeichnis beschreibt Schreibhilfen als Hilfen, die eingeschränkte oder fehlende Körperfunktionen der Hand oder der Finger beim Schreiben ausgleichen. Jede Produktart hat eine eigene Indikation. Sie reicht von leichten Feinmotorikstörungen bis zur vollständig aufgehobenen Armfunktion. Die Position gilt für Schreiben mit Stift und für das Schreiben an der Tastatur. Alle Produktarten tragen den Versorgungsbereich 02A.

Produktarten 02.40.06.0 bis .6 (GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis, abgerufen 09.10.2026)
ProduktartAufbau laut VerzeichnisVoraussetzungWofür
02.40.06.0 Schreibgriffe, SchreibgriffverdickungenAufschiebbare Anti-Rutsch-Griffe aus Kunst- oder Schaumstoff für haushaltsübliche StifteStörung von Finger-/Handfunktion mit Feinmotorik- und KraftminderungStift greifen und festhalten
02.40.06.1 Befestigungen, Spangen für SchreibgeräteSchlaufe aus Kunststoff, Textil oder Leder an Hand oder Unterarm mit Halterung für den StiftWie .0, Greifen und Festhalten nicht möglichStift an der Hand fixieren
02.40.06.2 Schreibhilfen zur FührungSchreibgerätehalter, teils mit T-förmiger Tischauflage für ruhige FührungBeeinträchtigung beim Festhalten und FührenStift ruhig führen
02.40.06.3 KopfschreibhilfenStirnreif, teils mit Kinnbügel, abgewinkelter einstellbarer StabErheblich bis voll ausgeprägte Beeinträchtigung von Arm, Hand, Finger; Kopfkontrolle vorhanden; Übung nötigSchreiben, Tastatur, Symbole auf Kommunikationshilfen
02.40.06.4 FußschreibhilfenHalterung an Zehen oder Fuß für das SchreibgerätArm-/Handfunktion vollständig aufgehoben; Fuß und Unterschenkel beweglichSchreiben mit dem Fuß
02.40.06.5 Blas-Saug-MundstäbeZwei ineinander verschiebbare Röhren, Länge 29 bis 46 cm, StandfußErheblich bis voll ausgeprägt; Kopfhaltestabilität und Mundmotorik vorhandenBedienelemente von Kommunikations- und Umfeldkontrollgeräten
02.40.06.6 Führungsschablonen für TastaturenGelochte Abdeckplatte aus Kunststoff oder Metall, auch für Mund-/Kopfstab nutzbarKoordinations- und Feinmotorikstörung der oberen ExtremitätenTastatur nutzen; nicht für Wiedereinsatz

Wer zahlt: Krankenkasse, nicht Pflegekasse

Schreibhilfen sind Hilfsmittel nach § 33 SGB V. Die Position 02.40.06 steht nicht in Anlage 1 der Richtlinien zu doppelfunktionalen Hilfsmitteln (RidoHiMi), in der die Positionen der Gruppe 02 nicht vorkommen. Die Pflegekasse zahlt sie deshalb nicht. Ein Pflegegrad ist nicht nötig, die Indikation entscheidet.

Die Gruppe 02 schließt Gebrauchsgegenstände des täglichen Lebens aus der Leistungspflicht aus, auch wenn sie behindertengerecht gestaltet sind. Ein Stift mit Griffnoppen aus dem Schreibwarenhandel ist ein solcher Gegenstand. Erstattungsfähig sind die im Verzeichnis geführten Produkte mit Hilfsmittelnummer, die mit 02.40.06 beginnt, bei Vorliegen der Indikation.

Zuzahlung: Rechenbeispiele

Ab 18 Jahren zahlen Sie nach § 33 Abs. 8 und § 61 SGB V 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als die Kosten. Die Beträge im Beispiel sind angenommen, den tatsächlichen Preis legt der Kassenvertrag fest. Wer die Belastungsgrenze nach § 62 SGB V erreicht hat, zahlt nichts mehr dazu: Zuzahlungsbefreiung.

Rechenbeispiele mit angenommenen Preisen nach § 61 und § 33 Abs. 8 SGB V; Bewilligung und Höhe entscheidet die Krankenkasse
Beispiel (angenommen)Preis10 ProzentIhre Zuzahlung
Schreibgriffverdickung4 Euro0,40 Euro4 Euro (nie mehr als der Preis)
Schreibgerätehalter mit Tischauflage30 Euro3 Euro5 Euro (Mindestbetrag)
Führungsschablone für Tastatur70 Euro7 Euro7 Euro
Blas-Saug-Mundstab mit Standfuß400 Euro40 Euro10 Euro (Höchstbetrag)
Versicherte unter 18 Jahrenbeliebigentfällt0 Euro (§ 33 Abs. 8 SGB V)

Antrag in vier Schritten

Der Weg läuft über die ärztliche Verordnung. Sie gilt für alle Produktarten gleich, die Begründung muss zur Indikation der gewählten Art passen.

  1. Schreibproblem benennenBeschreiben Sie, woran das Schreiben scheitert: Stift greifen, festhalten, führen oder die Tastatur treffen. Daraus ergibt sich die Produktart.
  2. Verordnung ausstellen lassenDie Ärztin oder der Arzt nennt Diagnose und betroffene Funktion. Bei Kopf-, Fuß- oder Mundstab-Hilfen belegt die Verordnung die erforderlichen Restfunktionen, etwa Kopfkontrolle oder Fußbeweglichkeit.
  3. Versorgung klärenFragen Sie Ihre Krankenkasse, welcher Leistungserbringer Sie versorgt, und reichen Sie die Verordnung ein. Bei Kopf- und Fußschreibhilfen sowie Mundstäben nennt das Verzeichnis ausdrücklich Übung als Voraussetzung der Nutzung (bei Kopf- und Fußschreibhilfen).
  4. Bescheid prüfenBei Ablehnung steht der Widerspruch offen: Antrag abgelehnt.

Abgrenzung zu Nachbarpositionen

Schreibhilfen sind eng mit anderen Adaptionshilfen verbunden, die getrennt verordnet werden.

Einordnung im Verzeichnis

Die Nummer 02.40.06 liest sich von links nach rechts: 02 ist die Produktgruppe, 40 der Anwendungsort, 06 die Untergruppe. Je weiter rechts eine Ziffer steht, desto konkreter wird das Produkt.

Die Produktgruppe lautet 02 Adaptionshilfen. Hinter der Nummerierung steht das Ziel, jedes Produkt eindeutig auffindbar zu machen. Welche Firma es herstellt oder liefert, spielt für die Einordnung keine Rolle.

Produktarten in dieser Position

Produktarten unter 02.40.06
02.40.06.0Schreibgriffe bzw. Schreibgriffverdickungen für Schreibgeräte
02.40.06.1Befestigungen bzw. Spangen für Schreibgeräte
02.40.06.2Schreibhilfen zur Führung eines Schreibgerätes
02.40.06.3Kopfschreibhilfen
02.40.06.4Fußschreibhilfen
02.40.06.5Blas-Saug-Mundstäbe
02.40.06.6Führungsschablonen für Tastaturen

Was hier nicht dazugehört

Diese Doppelstruktur ist historisch gewachsen. Für Versicherte bedeutet sie vor allem eines: Vor dem Antrag lohnt der Blick auf die Produktgruppe.

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Häufige Fragen

Zahlt die Krankenkasse Schreibhilfen?

Ja, wenn das Produkt im Hilfsmittelverzeichnis unter 02.40.06 geführt ist und eine Ärztin oder ein Arzt es wegen einer Schädigung der Hand- oder Fingerfunktion verordnet. Ab 18 Jahren zahlen Sie 10 Prozent dazu, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, darunter nichts.

Welche Schreibhilfe passt bei welcher Beeinträchtigung?

Bei leichter Feinmotorikstörung ein Schreibgriff oder Schreibgerätehalter, wenn Festhalten nicht gelingt eine Spange. Bei vollständig aufgehobener Armfunktion kommen Kopf-, Fuß- oder Mundstab-Hilfen infrage, je nach erhaltener Kopf-, Fuß- oder Mundmotorik. Für Tastaturen gibt es Führungsschablonen.

Was ist der Unterschied zwischen Schreibhilfe und Schreiblernhilfe?

Die Schreibhilfe nach 02.40.06 gleicht eine Funktionsstörung aus. Die Schreiblernhilfe für Kinder, etwa ein Dreikantgriff, fördert die Stifthaltung beim Schreibenlernen und ist im Handel erhältlich. Sie gehört in der Regel nicht zum Leistungskatalog.

Zahlt die Pflegekasse eine Schreibhilfe?

Nein. Schreibhilfen stehen in der Gruppe 02 und nicht in den Pflegehilfsmittelgruppen 50 bis 54. Die Pflegekasse ist nicht zuständig, ein Pflegegrad nicht nötig.

Brauche ich ein Rezept für eine Schreibhilfe?

Für die Versorgung zu Lasten der Krankenkasse ja: Die ärztliche Verordnung nennt Diagnose und Funktionsstörung. Ohne Verordnung kaufen Sie das Produkt selbst.

Offizielle Quelle

  1. Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands
  2. § 33 SGB V (Hilfsmittel)
  3. § 139 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis)
  4. § 61 SGB V (Zuzahlungen)
  5. § 62 SGB V (Belastungsgrenze)
  6. GKV-Spitzenverband: Richtlinien zur Festlegung der doppelfunktionalen Hilfsmittel (RidoHiMi), Fassung vom 24.06.2020, Anlage 1, PDF (abgerufen 09.10.2026)
  7. GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktgruppe 02 Adaptionshilfen (abgerufen 09.10.2026)
  8. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.06.0 Schreibgriffe (abgerufen 09.10.2026)
  9. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.06.1 Befestigungen, Spangen (abgerufen 09.10.2026)
  10. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.06.2 Schreibhilfen zur Führung (abgerufen 09.10.2026)
  11. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.06.3 Kopfschreibhilfen (abgerufen 09.10.2026)
  12. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.06.4 Fußschreibhilfen (abgerufen 09.10.2026)
  13. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.06.5 Blas-Saug-Mundstäbe (abgerufen 09.10.2026)
  14. Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 02.40.06.6 Führungsschablonen für Tastaturen (abgerufen 09.10.2026)

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Redaktioneller Stand: 09/2026. Diese Seite informiert, sie entscheidet nicht. Das tut ausschließlich die zuständige Pflegekasse.

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Julian Weber

Julian Weber, Geschäftsführer der Einfach zum Angebot GmbH. Das Unternehmen vermittelt Pflegeboxen und betreibt den verlinkten Shop; daraus kennt er Antrag, Abrechnung mit den Pflegekassen und die Produktauswahl aus der Praxis.

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