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Pflegesessel von der Kasse: Sitzhilfen zur Pflegeerleichterung (50.45.06)

Ein Pflegesessel ist ein Handelsbegriff, keine Position des Hilfsmittelverzeichnisses. Unter 50.45.06 führt das Verzeichnis die Sitzhilfen zur Pflegeerleichterung, und das ist derzeit eine einzige Produktart: den Sessel für Pflegebedürftige mit Morbus Huntington. Hier steht, was dafür gilt, was die Kasse ausdrücklich nicht zahlt und welche Position bei anderen Sitzproblemen passt.

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  • Aktualisiert am
  • Redaktion Pflegebox Fachwelt · Fachlich verantwortlich: Julian Weber
  • 8 Min. Lesezeit

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50.45.06Ebene 3 · Untergruppe

Position im Hilfsmittelverzeichnis

Bezeichnung
Sitzhilfen zur Pflegeerleichterung
Produktgruppe
50 Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege
Kostenträger
Kranken- oder Pflegekasse (doppelfunktional, Antrag bei einer der beiden genügt)
Teil der 42 Euro
nein

Das Wichtigste in Kürze

  • Unter 50.45.06 steht eine Produktart: 50.45.06.1 Sitzhilfen bei Chorea Huntington. Das Verzeichnis listet dazu ein Produkt (Abruf 09.10.2026).
  • Indikation: Pflegebedürftige mit ausgeprägten Bewegungsstörungen bei Morbus Huntington, wenn übliche Sitzmöbel nicht genutzt werden können.
  • Sogenannte Fernsehsessel fallen nach der Produktgruppe 50 nicht in die Leistungspflicht der Pflegeversicherung. Einen „Pflegesessel“ allgemein führt das Verzeichnis nicht.
  • Die Position steht in Anlage 1 der Richtlinien zu doppelfunktionalen Hilfsmitteln. Sie stellen den Antrag bei Kranken- oder Pflegekasse; Ihre Zuzahlung beträgt 10 Prozent, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nicht bis 25 Euro.
Inhalt dieser Seite10 Abschnitte
  1. Was unter 50.45.06 steht: ein Sessel für eine Erkrankung
  2. Pflegesessel, Fernsehsessel, Aufstehsessel: Was die Kasse nicht zahlt, und wo Alternativen stehen
  3. Wer zahlt: Kranken- und Pflegekasse im Verbund
  4. Der Antrag in vier Schritten
  5. Die Systematik dahinter
  6. Produktarten in dieser Position
  7. Was hier nicht dazugehört
  8. Häufige Fragen
  9. Mehr zum Thema
  10. Weiterlesen

Was unter 50.45.06 steht: ein Sessel für eine Erkrankung

Die Produktgruppe 50 beschreibt Sitzhilfen für Pflegebedürftige mit Morbus Huntington als spezielle Sessel, die bei Bewegungsunruhe und unwillkürlichen Bewegungen ein sicheres und gefahrloses Sitzen gewährleisten und die pflegerische Versorgung ermöglichen. Genau diese Sessel führt die einzige Produktart 50.45.06.1.

Produktart 50.45.06.1 (GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis, abgerufen 09.10.2026)
MerkmalAngabe im Verzeichnis
Rahmen und Polsterstabile Metallrahmenkonstruktion, vollflächige energieabsorbierende Polsterung, abgerundete Übergänge an Sitz, Rückenteil, Armlehnen und Fußbereich
Beinauflagegepolstert und abnehmbar
VerstellungSitzposition und Rückenlehne mechanisch oder elektrisch; Neigung meist durch Gasdruckfedern unterstützt; Überführung in eine Sitzposition für Pflegetätigkeiten, etwa das Anreichen der Nahrung
Schutz vor Herausrutschen und Umkippennach hinten abfallende Sitzfläche mit hochgeführten Seitenteilen und Fußteil; tiefliegende Sitzmulde; relativ hohes Gewicht des Sessels
Mobilitätteilweise fahrbar; bremsbare Schwenkrollen und Schiebegriff für den Positionswechsel
SicherheitBeckengurt kann angebracht werden

Pflegesessel, Fernsehsessel, Aufstehsessel: Was die Kasse nicht zahlt, und wo Alternativen stehen

Wer „Pflegesessel“ sucht, meint oft einen Sessel mit Aufstehhilfe, Liegefunktion oder Rollen. Als solche führt das Verzeichnis ihn nicht. Die Produktgruppe 50 stellt klar: Sogenannte Fernsehsessel fallen nicht in die Leistungspflicht der Pflegeversicherung. Für den Handel ist „Pflegesessel“ eine Warenbezeichnung; ob ein einzelnes Möbel Hilfsmittelqualität hat, zeigt nur seine Listung im Verzeichnis mit Positionsnummer.

Zuordnung nach Hilfsmittelverzeichnis (Produktgruppen 11, 22, 26, 33, 50) und RidoHiMi Anlage 1 (abgerufen 09.10.2026)
SitzproblemPosition im VerzeichnisKostenträger
Ausgeprägte Bewegungsstörung bei Morbus Huntington50.45.06.1 (diese Seite)Kranken- oder Pflegekasse, Anlage 1 RidoHiMi
Druckgeschwür oder Gefahr beim langen Sitzen11.39 Sitzkissen, Gruppe 11Krankenkasse
Sitzfehlhaltung, Sitzhaltungsinstabilität, Therapiestuhl, SitzschaleProduktgruppe 26 SitzhilfenKrankenkasse
Aufstehen aus Sessel oder Stuhl22.29.02 Aufstehhilfen für Sessel und StühleKrankenkasse, Anlage 1 RidoHiMi
Zu niedrige Toilette33.40.01 ToilettenaufsätzeKrankenkasse, Anlage 1 RidoHiMi
Transport im Sitzen, Lagerung außerhalb des Bettes50.45.07 Rollstühle mit SitzkantelungKranken- oder Pflegekasse, Anlage 1 RidoHiMi
Fernsehsessel, Komfort- oder Ruhesessel ohne Verzeichnispositionkeine Positionkeine Leistung der Pflegeversicherung (Produktgruppe 50)
Welcher Sitz über welche Position: Huntington-Sessel 50.45.06 über Kranken- oder Pflegekasse, Sitzkissen gegen Dekubitus 11.39 über die Krankenkasse, Sitzschalen und Therapiestühle Gruppe 26 über die Krankenkasse, Fernsehsessel keine Leistung der Pflegeversicherung.
Welcher Sitz läuft über welche Position?
Inhalt der Grafik als Text

Sessel bei Morbus Huntington, übliche Sitzmöbel nicht nutzbar, Pflegegrad: Position 50.45.06.1, doppelfunktional, Zuzahlung 5 bis 10 Euro.

Sitzkissen gegen Dekubitus: Gruppe 11, Position 11.39, Krankenkasse bei Indikation.

Sitzschalen und Therapiestühle bei ausgeprägten Sitzfehlhaltungen: Gruppe 26, Krankenkasse.

Fernsehsessel und andere Komfortmöbel: keine Leistungspflicht der Pflegeversicherung.

Wer zahlt: Kranken- und Pflegekasse im Verbund

Die Untergruppe 50.45.06 steht in Anlage 1 der Richtlinien zu doppelfunktionalen Hilfsmitteln (RidoHiMi, Fassung 24.06.2020). Nach § 40 Abs. 5 SGB XI prüft der Leistungsträger, bei dem Sie den Antrag stellen, ob ein Anspruch gegenüber Kranken- oder Pflegekasse besteht, und entscheidet über die Bewilligung. Intern teilen die Kassen die Ausgaben in der Produktgruppe 50 im Verhältnis 8,3 zu 91,7 Prozent auf (Krankenkasse zu Pflegekasse).

Die Zuzahlung richtet sich deshalb nach §§ 33, 61 und 62 SGB V: ab 18 Jahren 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als der Preis. Die 25-Euro-Grenze aus § 40 Abs. 3 SGB XI gilt hier nicht. Bei Pflegebedürftigen in vollstationärer Pflege gelten die Richtlinien nicht.

Rechenbeispiele zu § 40 Abs. 5 SGB XI und RidoHiMi § 4 sowie § 61 SGB V; die Preise sind erfunden, die Aufteilung betrifft nur die Kassen untereinander, nicht Ihre Zuzahlung
Abgabepreis (Beispiel)Anteil Krankenkasse 8,3 %Anteil Pflegekasse 91,7 %Ihre Zuzahlung
2.400 Euro199,20 Euro2.200,80 Euro10,00 Euro (Höchstbetrag)
60 Euro (Zubehör)4,98 Euro55,02 Euro6,00 Euro
  • Leihe: Die Kasse kann leihweise überlassen (§ 33 Abs. 5 SGB V); die Pflegekassen sollen technische Pflegehilfsmittel vorrangig leihweise überlassen (§ 40 Abs. 3 SGB XI). Ob das bei einem Sessel für Morbus Huntington passt, entscheidet die Kasse im Einzelfall.
  • Befreiung: Bei Erreichen der Belastungsgrenze nach § 62 SGB V zahlen Sie darüber hinaus nichts mehr zu: Zuzahlungsbefreiung.
  • Reform-Entwurf: Technische Pflegehilfsmittel nach § 40 SGB XI bleiben laut Kabinettsentwurf unverändert, siehe Reform-Entwurf 2027.

Der Antrag in vier Schritten

Eine ärztliche Diagnose liegt bei einer Erkrankung wie Morbus Huntington in der Regel schon vor. Der Antrag hängt dann vor allem an der Beschreibung des Sitzproblems.

  1. Sitzproblem beschreibenNotieren Sie, warum übliche Sitzmöbel nicht nutzbar sind: unwillkürliche Bewegungen, Rutschen aus dem Sitz, Umkippgefahr, Notwendigkeit, bei der Pflege (etwa der Nahrungsaufnahme) eine bestimmte Position einzustellen.
  2. Verordnung oder Empfehlung einholenEine vertragsärztliche Verordnung ist nötig, soweit eine ärztliche Diagnose oder Therapieentscheidung medizinisch geboten ist (§ 33 Abs. 5a SGB V). Empfiehlt eine Pflegefachperson die Sitzhilfe bei der Antragstellung, geht die Empfehlung in Textform mit dem Antrag an die Kasse und darf nicht älter als zwei Wochen sein (§ 40 Abs. 6 SGB XI).
  3. Kostenvoranschlag beim VertragspartnerNennen Sie die Position 50.45.06.1. Den Leistungserbringer wählen Sie unter den Vertragspartnern Ihrer Kasse (§ 33 Abs. 6 SGB V).
  4. Entscheidung, Lieferung, EinweisungDie Pflegekasse entscheidet innerhalb von drei Wochen, bei Beteiligung einer Pflegefachperson oder des Medizinischen Dienstes innerhalb von fünf Wochen; bei Empfehlung der Pflegefachperson zur Antragstellung gelten drei Wochen. Ohne Mitteilung eines hinreichenden Grundes gilt die Leistung nach Fristablauf als genehmigt (§ 40 Abs. 7 SGB XI). Lassen Sie sich den Sessel einstellen und die Bedienung erklären.

Die Systematik dahinter

Die Nummer 50.45.06 liest sich von links nach rechts: 50 ist die Produktgruppe, 45 der Anwendungsort, 06 die Untergruppe. Je weiter rechts eine Ziffer steht, desto konkreter wird das Produkt.

Die Produktgruppe lautet 50 Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege. Hinter der Nummerierung steht das Ziel, jedes Produkt eindeutig auffindbar zu machen. Welche Firma es herstellt oder liefert, spielt für die Einordnung keine Rolle.

Produktarten in dieser Position

Produktarten unter 50.45.06
50.45.06.1Sitzhilfen bei Chorea Huntington

Was hier nicht dazugehört

Hilfsmittel nach § 33 SGB V und Pflegehilfsmittel nach § 40 SGB XI stehen im selben Verzeichnis, haben aber verschiedene Kostenträger. Das ist der häufigste Grund dafür, dass ein Antrag bei der falschen Stelle landet.

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Häufige Fragen

Zahlt die Krankenkasse einen Pflegesessel?

Nur, wenn der Sessel zu einer Verzeichnisposition gehört und die Indikation vorliegt. Unter 50.45.06 führt das Verzeichnis den Sessel für Pflegebedürftige mit Morbus Huntington. Fernsehsessel sind nach der Produktgruppe 50 keine Leistung der Pflegeversicherung. „Pflegesessel“ als allgemeine Warenbezeichnung ist keine Position.

Was ist ein Huntington-Sessel?

Ein spezieller Sessel mit stabilem Metallrahmen, vollflächiger energieabsorbierender Polsterung, nach hinten abfallender Sitzfläche, hochgeführten Seitenteilen und abnehmbarer Beinauflage. Er verhindert bei Überbewegungen das Herausrutschen und lässt die Sitzposition für Pflegetätigkeiten verstellen. Das Verzeichnis führt ihn als Produktart 50.45.06.1.

Wird ein Sitzkissen von der Krankenkasse bezahlt?

Ein gewöhnliches Sitzkissen ist ein allgemeiner Gebrauchsgegenstand des täglichen Lebens und nicht Teil der Hilfsmittelversorgung (§ 33 Abs. 1 SGB V). Sitzkissen gegen Dekubitus führt das Verzeichnis in Gruppe 11 (11.39). Dort zahlt die Krankenkasse bei Indikation. Mehr auf der Seite Gruppe 11, Gesäß.

Wird eine Sitzerhöhung von der Krankenkasse bezahlt?

Für die Toilette führt das Verzeichnis Sitzerhöhungen unter 33.40.01, bei Indikation zahlt die Krankenkasse. Für Sessel und Stühle nennt das Verzeichnis unter 50.45.06 keine Sitzerhöhung; zum Aufstehen aus Sesseln gibt es die Aufstehhilfen unter 22.29.02. Mehr bei Toilettenaufsätzen.

Welche Hilfsmittel zahlt die Krankenkasse, welche die Pflegekasse?

Die Krankenkasse zahlt Hilfsmittel nach § 33 SGB V, die eine Behinderung ausgleichen oder den Erfolg der Behandlung sichern. Die Pflegekasse zahlt Pflegehilfsmittel nach § 40 SGB XI. Für doppelfunktionale Positionen wie 50.45.06 genügt ein Antrag bei einer Kasse. Mehr im Glossar: Hilfsmittel oder Pflegehilfsmittel.

Wie hoch ist die Zuzahlung bei einer Sitzhilfe zur Pflegeerleichterung?

Ab 18 Jahren 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als der Preis. Die 25-Euro-Grenze für reine Pflegehilfsmittel gilt nicht, weil die Position doppelfunktional ist (§ 40 Abs. 5 SGB XI). Bei Erreichen der Belastungsgrenze entfällt die weitere Zuzahlung.

Brauche ich einen Pflegegrad für einen Huntington-Sessel?

Die Indikation im Verzeichnis nennt Pflegebedürftige mit ausgeprägten Bewegungsstörungen bei Morbus Huntington. Ein Pflegegrad ist daher der übliche Ausgangspunkt. Den Antrag stellen Sie bei Ihrer Kasse, die Zuständigkeit klärt sie nach § 40 Abs. 5 SGB XI.

Welche Hilfsmittel erleichtern die Pflege rückenschonend?

Die Produktgruppe 50 nennt Pflegebetten, Pflegebettenzubehör, Pflegebetttische, Sitzhilfen, Rollstühle mit Sitzkantelung, Positionierungshilfen sowie Treppenfahrzeuge und Rampen. Mehr zu Pflegebetten, Positionierungshilfen und Deckenliftern.

Amtliche Quelle

  1. Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands
  2. § 40 Abs. 2 SGB XI
  3. § 139 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis)
  4. § 33 SGB V (Hilfsmittel)
  5. § 61 SGB V (Zuzahlungen)
  6. § 62 SGB V (Belastungsgrenze)
  7. GKV-Spitzenverband: Richtlinien zur Festlegung der doppelfunktionalen Hilfsmittel (RidoHiMi), Fassung vom 24.06.2020, PDF (abgerufen 09.10.2026)
  8. GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktgruppe 50 Pflegehilfsmittel zur Erleichterung der Pflege inkl. leistungsrechtliche Hinweise (abgerufen 09.10.2026)
  9. GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 50.45.06.1 Sitzhilfen bei Chorea Huntington (abgerufen 09.10.2026)
  10. GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktgruppe 26 Sitzhilfen (abgerufen 09.10.2026)

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Stand 09/2026. Diese Seite gehört zur Einfach zum Angebot GmbH und ist damit kein neutraler Vergleich. Die Rechtsangaben stammen unverändert aus dem Gesetzestext.

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Julian Weber

Julian Weber, Geschäftsführer der Einfach zum Angebot GmbH. Das Unternehmen vermittelt Pflegeboxen und betreibt den verlinkten Shop; daraus kennt er Antrag, Abrechnung mit den Pflegekassen und die Produktauswahl aus der Praxis.

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