Was ist ein Hausnotruf? Funktion und Kostenübernahme
Ein Hausnotruf verbindet Sie per Knopfdruck mit einer rund um die Uhr besetzten Zentrale. Hier stehen Aufbau, Anspruch gegenüber der Pflegekasse und die Kosten über den Basisanschluss hinaus.
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Das Wichtigste in Kürze
- Ein Hausnotrufsystem besteht aus einem Funksender (Armband oder Kette), einem Basisgerät am Telefon- oder Internetanschluss und einer Notrufzentrale, die Hilfe organisiert.
- Die Pflegekasse beteiligt sich unter Voraussetzungen an den Kosten: Pflegegrad, Alleinsein über weite Teile des Tages und zu erwartende Notlagen (AOK-Pflegekasse). Rechtsgrundlage ist § 40 SGB XI, der Hausnotruf gehört zu den technischen Pflegehilfsmitteln.
- Seit dem 1. April 2026 zahlt die Pflegekasse dem Vertragsanbieter für den Basis-Hausnotruf 27,00 Euro netto im Monat (Referenzvertrag des GKV-Spitzenverbands, vorher 25,50 Euro). Das ist eine Vergütung an den Anbieter, kein Geld an Sie. Zusatzleistungen zahlen Sie selbst. Mehr dazu auf der Seite Notrufsysteme im Hilfsmittelverzeichnis.
- Der Hausnotruf wird getrennt von der Pflegebox beantragt und kürzt die 42 Euro im Monat nicht.
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Definition: So funktioniert ein Hausnotruf
Ein Hausnotrufsystem ist ein elektronisches Meldesystem, das mit einer Notrufzentrale verbunden ist. Wer in Not gerät, drückt den Knopf am Armband oder an der Halskette. Das Basisgerät stellt die Verbindung zur Zentrale her und hat eine Freisprecheinrichtung. In der Zentrale sind Kontaktpersonen und wichtige Angaben hinterlegt. Die Mitarbeitenden bewerten die Lage und verständigen je nach Bedarf Angehörige, Nachbarn, einen Pflegedienst oder den Rettungsdienst.
Technisch brauchen Sie einen Telefon- oder IP-Anschluss und eine Steckdose für die Basisstation. Die Verbraucherzentrale rät, bei Routern zu prüfen, ob das System auch bei Stromausfall funktioniert; ein Akku überbrückt nach ihrer Angabe etwa 10 bis 20 Stunden, ein Gerät mit SIM-Karte hilft bei Telefon- oder Internetausfall. Ein Festnetztelefon ist also nicht in jedem Fall nötig, ein Anschluss für die Basisstation schon. Bei großen Häusern und im Garten lohnt die Frage nach der Reichweite des Funkknopfs.
Rechtsgrundlage und Anspruch gegenüber der Pflegekasse
Ein Hausnotruf ist ein Pflegehilfsmittel zur selbständigeren Lebensführung (§ 40 Abs. 1 SGB XI). Das Hilfsmittelverzeichnis führt ihn in der Gruppe 52, Untergruppe 52.40.01 „Notrufsysteme“, als „Hausnotrufsysteme, angeschlossen an Zentrale“ (52.40.01.1) und als Zubehör (52.40.01.2). Pflegehilfsmittel stehen schon bei Pflegegrad 1 zu (§ 28a SGB XI). Bei der Antragstellung kann die Pflegekasse die Notwendigkeit unter Beteiligung einer Pflegefachperson oder des Medizinischen Dienstes prüfen lassen (§ 40 Abs. 1 Satz 2 SGB XI).
Die AOK nennt als Voraussetzungen: Es liegt ein Pflegegrad vor; die Person ist ganz oder über weite Teile des Tages allein, oder sie lebt mit jemandem zusammen, der in einer Notsituation keine Hilfe holen kann; und es ist zu erwarten, dass aufgrund von Krankheit oder Pflegezustand jederzeit eine Notlage wie ein Sturz eintreten kann, bei der mit einem handelsüblichen Telefon keine Hilfe gerufen werden kann. Der Anbieter muss Vertragspartner der Pflegekasse sein. Den Antrag stellt der Anbieter oft für Sie; formlos können Sie ihn auch selbst stellen. Fragen Sie vorher, ob Ihre Kasse ein Formular nutzt.
Kosten: Basisanschluss, Kassenleistung und Extras
Die Pflegekasse zahlt nach Angaben der AOK eine vertraglich vereinbarte monatliche Pauschale an den Leistungserbringer. Sie umfasst Bereitstellung, Miete und Abbau des Geräts. Laut Verbraucherzentrale (Stand 29.07.2026) liegt sie seit dem 1. April 2026 bei bis zu 27 Euro im Monat; der Basistarif kostet meist zwischen 27 und 40 Euro. Das DRK nennt dieselbe Zahl und nennt eine Bedingung: Der Anbieter muss bereits einen neuen Vertrag mit dem GKV-Spitzenverband abgeschlossen haben; andernfalls kann die Erstattung weiterhin bei 25,50 Euro liegen. Fragen Sie deshalb vor Vertragsschluss nach. Eine Primärmitteilung des GKV-Spitzenverbandes zu diesem Betrag konnten wir nicht öffnen.
Eigenes Geld kosten Extras wie Schlüsselhinterlegung, Funkrauchmelder, Erinnerungsdienste, Sturzsensor oder mobile Geräte für unterwegs. Auch Fehlalarme können Kosten verursachen. Wer keinen Pflegegrad hat, zahlt den Hausnotruf komplett selbst.
| Posten | Wer zahlt | Quelle |
|---|---|---|
| Basisanschluss (Gerät, Miete, Zentrale) | Pflegekasse bis zur Pauschale, bei Pflegegrad und erfüllten Voraussetzungen | AOK, Verbraucherzentrale |
| Differenz über der Pauschale | Versicherte | Verbraucherzentrale |
| Schlüsselhinterlegung, Sturzsensor, mobile Geräte | Versicherte | AOK, Verbraucherzentrale |
| Hausnotruf ohne Pflegegrad | Versicherte vollständig | AOK |
Grenzen und Abgrenzung
Ein Hausnotruf setzt voraus, dass die Person den Knopf gezielt drücken kann. Die Verbraucherzentrale hält ihn für Menschen mit Demenz für weniger geeignet, weil sie den Notruf häufig nicht gezielt auslösen können. Dann lohnt die Frage nach anderen Lösungen; das Verzeichnis führt dafür auch Assistenzsysteme in der Untergruppe 52.40.05. Nachteile in der Praxis sind laufende Kosten, Fehlalarme und die Abhängigkeit von Strom und Anschluss.
Der Hausnotruf ist ein dauerhaftes technisches Hilfsmittel. Das unterscheidet ihn von Verbrauchsprodukten der Pflegebox wie Handschuhen. Beide werden getrennt beantragt und beeinflussen sich nicht: Die 42 Euro im Monat bleiben unberührt (§ 40 Abs. 2 SGB XI). Das zweite technische Standardmittel ist das Pflegebett. Katalogdetails und Produktarten stehen auf der Seite Notrufsysteme im Hilfsmittelverzeichnis.
Häufige Fragen
Welche Nachteile hat ein Hausnotruf?
Er kostet laufend Geld, Extras zahlen Sie selbst, Fehlalarme können Kosten auslösen, und er braucht Strom sowie einen Anschluss. Für Menschen mit Demenz ist er nach Einschätzung der Verbraucherzentrale oft weniger geeignet, weil der Knopf nicht gezielt gedrückt wird.
Wie viel kostet ein Hausnotruf im Monat?
Laut Verbraucherzentrale (Stand 29.07.2026) kostet der Basistarif meist 27 bis 40 Euro im Monat. Zusatzleistungen kommen hinzu. Die Pflegekasse beteiligt sich bei Pflegegrad bis zur vertraglichen Pauschale, laut Verbraucherzentrale und DRK seit 1. April 2026 bis zu 27 Euro, sofern der Anbieter den neuen Vertrag hat.
Wird ein Hausnotruf von der Kasse bezahlt?
Die Pflegekasse beteiligt sich an den Kosten des Basisanschlusses, wenn ein Pflegegrad vorliegt, die Person oft allein ist und jederzeit mit einer Notlage zu rechnen ist (Angabe der AOK-Pflegekasse). Ohne Pflegegrad zahlen Sie selbst.
Braucht man für den Hausnotruf ein Festnetztelefon?
Nicht zwingend. Nötig ist ein Telefon- oder IP-Anschluss für die Basisstation und eine Steckdose; bei Ausfall helfen laut Verbraucherzentrale Geräte mit SIM-Karte und Akku. Klären Sie das vorab mit dem Anbieter.
Ist der Hausnotruf Teil der Pflegebox?
Nein. Die Pflegebox umfasst Verbrauchsprodukte bis 42 Euro im Monat (§ 40 Abs. 2 SGB XI). Der Hausnotruf ist ein technisches Pflegehilfsmittel und wird gesondert beantragt.
Verwandte Begriffe
Verbindliche Stelle
- § 40 Abs. 2 SGB XI
- Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands
- § 28a SGB XI (Leistungen bei Pflegegrad 1)
- AOK: Hausnotruf (Pflegekasse), Stand 29.10.2025, abgerufen 09.10.2026
- Verbraucherzentrale: Hausnotrufsysteme erklärt, Stand 29.07.2026, abgerufen 09.10.2026
- DRK: Hausnotruf (Angaben zum Zuschuss ab 01.04.2026), abgerufen 09.10.2026
- GKV-Spitzenverband: Hausnotruf-Fragen und Antworten (Stand 03/2026)
- Notrufsysteme im Hilfsmittelverzeichnis
- Assistenzsysteme (52.40.05)
- Pflegehilfsmittel zum Verbrauch
- Glossar: Pflegebett
- Pflegeberatung
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Hinweis: Diese Seite ist redaktionell und nicht amtlich. Ob im Einzelfall ein Anspruch besteht, entscheidet die Pflegekasse. Angaben mit Stand 09/2026.