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Ohrepithese: Kostenübernahme, Befestigung und Versorgung

Eine Ohrepithese ersetzt ein fehlendes Ohr oder einen Teil davon durch ein individuell gefertigtes Silikonteil. Das Hilfsmittelverzeichnis führt sie unter 35.19 „Äußeres Ohr“. Hier steht, wann die Krankenkasse zahlt, welche Befestigungen es gibt, wie lange eine Epithese hält und was nicht zum Hilfsmittel zählt.

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  • Aktualisiert am
  • Redaktion Pflegebox Fachwelt · Fachlich verantwortlich: Julian Weber
  • 8 Min. Lesezeit

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35.19Ebene 2 · Anwendungsort

Position im Hilfsmittelverzeichnis

Bezeichnung
Äußeres Ohr
Produktgruppe
35 Epithesen
Kostenträger
Krankenkasse (§ 33 SGB V)
Teil der 42 Euro
nein

Das Wichtigste in Kürze

  • Ohrepithesen stehen im Hilfsmittelverzeichnis unter 35.19.01 (Produktgruppe 35 „Epithesen“) mit einer Produktart: Ohr-Epithesen (35.19.01.0). Indikation: Defektdeckung nach Total- oder Teilresektion des äußeren Ohrs samt betroffener Haut- und Weichteilgewebe.
  • Zuständig ist die Krankenkasse nach § 33 SGB V. Die Position ist nicht doppelfunktional; ein Pflegegrad ist keine Voraussetzung.
  • Sie zahlen ab 18 Jahren 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als der Preis (§ 33 Abs. 8, § 61 SGB V).
  • Implantate, die zur Befestigung eingesetzt werden, sind nicht Teil der Hilfsmittelversorgung, sondern ärztliche Leistung. Die Tragedauer einer Epithese beträgt laut Verzeichnis im Allgemeinen etwa zwei Jahre.
Inhalt dieser Seite11 Abschnitte
  1. Was eine Ohrepithese nach dem Verzeichnis ist
  2. Befestigung: vier Wege und was sie bedeuten
  3. Wer zahlt und was Sie zuzahlen
  4. Haltbarkeit, Pflege und Folgeversorgung
  5. Der Weg zur Ohrepithese in fünf Schritten
  6. Abgrenzung: Hörgerät, Nase, Auge und operative Rekonstruktion
  7. Die Systematik dahinter
  8. Was hier nicht dazugehört
  9. Häufige Fragen
  10. Mehr zum Thema
  11. Weiterlesen

Was eine Ohrepithese nach dem Verzeichnis ist

Epithesen sind individuell angefertigte Hilfsmittel, die in erster Linie dem ästhetischen Ausgleich irreversibler Körperdefekte dienen. Sie bestehen aus körperfremdem Material wie Silikon, Kunststoff, Metall, Porzellan oder Glas. Das ist der Unterschied zur Prothese: Prothesen und Orthesen ersetzen verlorene Gliedmaßen und deren Funktion oder unterstützen sie, Epithesen dienen vorrangig dem optischen Ausgleich und der sozialen Eingliederung bei erheblich entstellenden Körperdefekten.

Die Ohr-Epithese (35.19.01.0) besteht laut Verzeichnis aus medizinischem Silikon oder PMMA und wird individuell modelliert. Farbe, Form und Oberfläche werden dem natürlichen Erscheinungsbild angepasst, mit Pigmentierung, Äderchen und Poren; bei Bedarf werden Haare eingearbeitet. Die Übergänge zur gesunden Haut werden fein herausgearbeitet. Ziel ist, Form und Gestalt des Ohrs wiederherzustellen. Als Versorgungsbereich nennt das Verzeichnis 35A nach den Empfehlungen zu § 126 SGB V.

Produktart 35.19.01.0 und Produktgruppe 35 (GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis, abgerufen 09.10.2026)
MerkmalAngabe im Verzeichnis
Position35.19.01.0 Ohr-Epithesen (Anwendungsort 35.19 Äußeres Ohr, Produktgruppe 35 Epithesen)
IndikationDefektdeckung nach Total- oder Teilresektion des äußeren Ohrs (Auris externa) und der betroffenen Haut- und Weichteilgewebe
Materialmedizinisches Silikon oder PMMA (Polymethylmethacrylat), individuell modelliert
Typische Anlässe der Produktgruppeangeborene Fehlbildungen, Unfallverletzungen, Tumorerkrankungen, wenn eine Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe nicht möglich ist oder kein zufriedenstellendes Ergebnis bringt oder erst später möglich ist
Nicht genanntPreise; sie ergeben sich aus dem Kassenvertrag und dem Kostenvoranschlag

Befestigung: vier Wege und was sie bedeuten

Wie die Epithese hält, bestimmt Tragekomfort, Pflegeaufwand und den ärztlichen Eingriff. Das Verzeichnis beschreibt vier Wege. Die Wahl hängt von Art und Größe der Epithese, den anatomischen Verhältnissen, davon ab, ob es eine Zwischen- oder Dauerversorgung ist, und davon, was Ihnen wichtig ist: stabiler Halt oder einfache Handhabung.

Befestigung nach Produktgruppe 35 Epithesen (GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis, abgerufen 09.10.2026)
BefestigungMerkmal nach VerzeichnisEinschränkung
Medizinischer Hautklebergeringerer operativer Aufwand, keine Implantate nötig; für kleinere Epithesen mit geringer HaltekraftKleber verliert mit der Zeit Festigkeit; Hautirritationen bis Allergie möglich
Anatomischer UnterschnittKlemmfixierung, wenn der Defekt passend gestaltet istGewebe kann sich zurückziehen; deshalb eher Zwischenversorgung
BrillenfixationEpithese fest mit der Brille verbunden; auch ohne Implantate möglich, etwa während Chemo- oder StrahlentherapieBrille und Epithese werden zusammen abgenommen; Gewicht beeinflusst den Halt
Implantatfixationheute meist üblich, wenn möglich; oft mit Magnetankersystem, gute Hygienefähigkeit, einfache HandhabungDurchtrittsstelle muss regelmäßig gesäubert werden, sonst drohen Entzündungen bis Implantatverlust
Vier Befestigungen einer Ohrepithese nach dem Hilfsmittelverzeichnis: medizinischer Hautkleber, Klemmfixierung im anatomischen Unterschnitt, Brillenfixation und Implantatfixation mit Magneten; Implantate und Primärmagnete sind ärztliche Leistung, nicht Hilfsmittel.
Ohrepithese: vier Wege der Befestigung
Inhalt der Grafik als Text

Hautkleber: für kleinere Epithesen mit geringer Haltekraft; der Kleber verliert mit der Zeit Festigkeit, Hautirritationen und Allergien sind möglich.

Anatomischer Unterschnitt: Klemmfixierung bei passend gestaltetem Defekt, eher für Zwischenversorgungen.

Brillenfixation: Epithese fest mit der Brille verbunden; beim Abnehmen der Brille wird auch die Epithese entfernt.

Implantatfixation: meist mit Magnetankersystem; Implantate und Primärmagnete gehören zum ärztlichen Eingriff, nicht zum Hilfsmittel.

Wer zahlt und was Sie zuzahlen

Epithesen sind Hilfsmittel nach § 33 SGB V, die Krankenkasse ist zuständig. Das Verzeichnis führt die Ohr-Epithese in der Produktgruppe 35. Diese Gruppe steht nicht in Anlage 1 der Richtlinien zu doppelfunktionalen Hilfsmitteln (RidoHiMi, Fassung vom 24.06.2020); eine Aufteilung mit der Pflegekasse gibt es hier nicht. Ein Pflegegrad ist keine Voraussetzung.

Die Zuzahlung beträgt ab 18 Jahren 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro, nie mehr als der Preis (§ 33 Abs. 8, § 61 Satz 1 SGB V). Ab einem Abgabepreis von 100 Euro liegen Sie beim Höchstbetrag von 10 Euro. Die Kasse übernimmt die vertraglich vereinbarten Preise (§ 33 Abs. 7). Mehrkosten für Ausstattung über das Notwendige hinaus tragen Sie selbst (§ 33 Abs. 1).

Zuständigkeit je Posten (Hilfsmittelverzeichnis und Gesetzestexte, abgerufen 09.10.2026)
PostenWer zahltGrundlage
Ohr-Epithese, individuell gefertigtKrankenkasse, abzüglich Ihrer Zuzahlung von 5 bis 10 Euro§ 33, § 61 SGB V
Implantate und Primärmagneteärztliche Leistung, nicht HilfsmittelVerzeichnis, Produktgruppe 35
Folgeversorgung nach Verschleiß oder DefektveränderungKrankenkasse, wieder mit ZuzahlungVerzeichnis, Produktgruppe 35
Mehrausstattung über das NotwendigeSie§ 33 Abs. 1 SGB V

Haltbarkeit, Pflege und Folgeversorgung

Die Haltbarkeit einer Epithese hängt von der Belastung und von der Pflege ab. Im Allgemeinen beträgt die Tragedauer laut Verzeichnis etwa zwei Jahre. Eine Folgeversorgung erfolgt, wenn die Epithese verschlissen ist oder sich der Defekt verändert hat.

Das Verzeichnis verlangt außerdem, sicherzustellen, dass Sie die tägliche Pflege der Epithese, des darunterliegenden Gewebes und der Befestigungen durchführen können. Dieser Punkt (Compliance) fließt in die Wahl der Befestigung ein. Bei implantatfixierten Epithesen gehört die regelmäßige Säuberung der Durchtrittsstelle dazu.

Der Weg zur Ohrepithese in fünf Schritten

Die Erstversorgung erfolgt in der Regel im Anschluss an eine stationäre Behandlung und ist durch enge Zusammenarbeit von Ärztin oder Arzt und Epithetiker gekennzeichnet.

  1. Indikation ärztlich stellen lassenDie Indikation stellt in der Regel die behandelnde Ärztin oder der behandelnde Arzt. Eine vertragsärztliche Verordnung ist nötig, soweit eine ärztliche Diagnose oder Therapieentscheidung medizinisch geboten ist (§ 33 Abs. 5a SGB V).
  2. Gemeinsame VorbesprechungDas Verzeichnis sieht vor, dass Epithetiker und verordnender Arzt Vorgeschichte und relevante Informationen besprechen und möglichst gemeinsam das Ziel der Versorgung festlegen. Die Lage der Implantate sollte gemeinsam geplant werden.
  3. Leistungserbringer wählen, KostenvoranschlagSie können jeden Leistungserbringer nutzen, der Vertragspartner Ihrer Krankenkasse ist (§ 33 Abs. 6 SGB V). Fragen Sie die Kasse nach Epithetikern mit Vertrag für den Versorgungsbereich 35A. Die Kasse übernimmt die vertraglichen Preise.
  4. Abdruck und Anfertigung nach der WundheilungBei implantatfixierten Epithesen kann die Abdrucknahme erst nach Abheilung und Ausformung des Durchtrittsprofils erfolgen. Die Epithese wird individuell gefertigt.
  5. Einweisung und Pflege lernenZum Anspruch gehört die Ausbildung im Gebrauch (§ 33 Abs. 1 SGB V). Lassen Sie sich Anlegen, Abnehmen und Reinigung zeigen. Bei Hautreizungen oder Rötung an der Durchtrittsstelle melden Sie sich zeitnah bei Ihrem Behandlungsteam.

Abgrenzung: Hörgerät, Nase, Auge und operative Rekonstruktion

Eine Ohrepithese ersetzt die Form des äußeren Ohrs, nicht das Hören. Bei Schwerhörigkeit kommt ein Hörgerät hinzu; das gehört zur Produktgruppe 13, siehe Hörhilfen. Die Datenbank REHADAT weist darauf hin, dass bei fehlender Ohrmuschel mit Schallleitungsschwerhörigkeit das erforderliche Hörgerät in die Behandlungsphase einbezogen werden muss.

Epithesen für andere Gesichtsregionen führt das Verzeichnis unter eigenen Anwendungsorten: Kopf, Nase und Auge. Welche Rekonstruktion mit körpereigenem Gewebe infrage kommt, ist eine ärztliche Entscheidung und nicht Gegenstand dieser Seite.

Die Systematik dahinter

Die Nummer 35.19 liest sich von links nach rechts: 35 ist die Produktgruppe, 19 der Anwendungsort. Je weiter rechts eine Ziffer steht, desto konkreter wird das Produkt.

Die Produktgruppe lautet 35 Epithesen. Die Systematik nach § 139 SGB V beschreibt Zweck und Anwendungsbereich. Wer eine Nummer kennt, kann damit bei jeder Kasse dieselbe Position benennen.

Was hier nicht dazugehört

Die Trennung verläuft nicht entlang des Produkts, sondern entlang des Zwecks. Dient es der Krankenbehandlung oder dem Behinderungsausgleich, ist die Krankenkasse zuständig.

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Häufige Fragen

Was ist der Unterschied zwischen Prothese und Epithese?

Prothesen und Orthesen ersetzen verlorene Gliedmaßen und deren Funktion oder unterstützen sie. Epithesen dienen vorrangig dem optischen Ausgleich und der sozialen Eingliederung bei erheblich entstellenden Körperdefekten, meist im Gesicht. Die Ohrepithese ersetzt die Form des äußeren Ohrs.

Wie lange hält eine Epithese?

Das Verzeichnis nennt im Allgemeinen eine Tragedauer von etwa zwei Jahren. Wie lange sie hält, hängt von Belastung und Pflege ab. Eine Folgeversorgung erfolgt bei Verschleiß oder Veränderung des Defekts.

Zahlt die Krankenkasse eine Ohrepithese?

Ja. Die Ohr-Epithese (35.19.01.0) ist ein Hilfsmittel der Krankenkasse nach § 33 SGB V, wenn eine Defektdeckung nach Total- oder Teilresektion des äußeren Ohrs nötig ist. Sie zahlen ab 18 Jahren 10 Prozent des Abgabepreises, mindestens 5 und höchstens 10 Euro. Implantate sind nicht Teil des Hilfsmittels, sondern ärztliche Leistung.

Wie wird eine Ohrepithese befestigt?

Das Verzeichnis nennt medizinischen Hautkleber, Klemmfixierung im anatomischen Unterschnitt, Brillenfixation und Implantatfixation, meist mit Magneten. Die Wahl hängt von Defekt, Haltekraft und Pflegemöglichkeiten ab und wird mit Arzt und Epithetiker getroffen.

Wie hängen Ohrepithese und Hörgerät zusammen?

Das Verzeichnis beschreibt die Epithese nur als Form- und Gestaltersatz. REHADAT weist darauf hin, dass bei Schwerhörigkeit das erforderliche Hörgerät in die Behandlungsphase einbezogen werden muss. Fragen Sie Epithetiker und Hörakustik gemeinsam; das Hörgerät läuft über die Produktgruppe 13.

Brauche ich einen Pflegegrad für eine Ohrepithese?

Nein. Die Epithese ist ein Hilfsmittel der Krankenkasse und steht nicht in der Liste der doppelfunktionalen Hilfsmittel. Entscheidend ist die Indikation und die Erforderlichkeit im Einzelfall.

Offizielle Quelle

  1. Hilfsmittelverzeichnis des GKV-Spitzenverbands
  2. § 33 SGB V (Hilfsmittel)
  3. § 139 SGB V (Hilfsmittelverzeichnis)
  4. § 61 SGB V (Zuzahlungen)
  5. § 62 SGB V (Belastungsgrenze)
  6. GKV-Spitzenverband: Richtlinien zur Festlegung der doppelfunktionalen Hilfsmittel (RidoHiMi), Fassung vom 24.06.2020, PDF (abgerufen 09.10.2026)
  7. GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktgruppe 35 Epithesen (abgerufen 09.10.2026)
  8. GKV-Spitzenverband, Hilfsmittelverzeichnis: Produktart 35.19.01.0 Ohr-Epithesen (abgerufen 09.10.2026)
  9. REHADAT-Hilfsmittel: Gesichtsprothesen, Ohrepithese mit Hörgerät (abgerufen 09.10.2026)

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Stand 09/2026. Diese Seite gehört zur Einfach zum Angebot GmbH und ist damit kein neutraler Vergleich. Die Rechtsangaben stammen unverändert aus dem Gesetzestext.

Fachlich verantwortlich

Julian Weber

Julian Weber, Geschäftsführer der Einfach zum Angebot GmbH. Das Unternehmen vermittelt Pflegeboxen und betreibt den verlinkten Shop; daraus kennt er Antrag, Abrechnung mit den Pflegekassen und die Produktauswahl aus der Praxis.

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